Erst vor 250 Jahren wurde sie wiederentdeckt. Von 776 v.Chr. bis 393 n.Chr. war sie alle vier Jahre der Austragungsort der antiken Olympischen Spiele: die Kultstätte Olympia auf der griechischen Halbinsel Peloponnes. Männer und Knaben maßen sich im Heiligtum des Zeus in Wettbewerben wie Laufen, Ringen und Gewichtheben, bis das christianisierte Rom die Spiele verbot, um das Heidentum zu bekämpfen. 551 kam es zu einem Erdbeben, das die prächtige Anlage zerstörte. Ausgelöst durch die Naturkatastrophe soll das nahe Flüsschen Kladeos über die Ufer getreten sein und die antiken Bauwerke unter einer bis zu acht Meter dicken Schicht aus Sand und anderen Ablagerungen begraben haben.
Dieses Szenario des Untergangs von Olympia ist bisher gängige Lehrmeinung. Ihr widerspricht jetzt Andreas Vött von der Universität Mainz. Der Geograph meint, gute Beweise gefunden zu haben, dass Olympia das Opfer eines Tsunamis wurde. Vött hat mit Kollegen die Sedimente im Umfeld der früheren Kultstätte untersucht. Sein Ergebnis ist eindeutig: „Die Zusammensetzung und Mächtigkeit der Sedimente in Olympia passen nicht zur Wasserführung und zum geomorphologischen Inventar des Kladeos. Der Bach kann das nicht verursacht haben.”
Eine genauere Analyse der Ablagerungen ergab, dass sie Überreste von Muscheln, Schneckengehäusen und den Kalkschalen spezieller Einzeller enthalten, die eindeutig marinen Ursprungs sind. Die Sedimente waren offenbar mit hohem Tempo von der Küste an Land transportiert worden. Das Meeresufer war damals nicht wie heute 22 Kilometer von Olympia entfernt, sondern lag mindestens 8 Kilometer weiter landeinwärts.
Auch die These vom Erdbeben in Olympia will Vött nicht gelten lassen. Dagegen spreche etwa die Lage der umgestürzten Säulen des Zeus-Tempels. Typischerweise müssten die Säulentrommeln nach einem Erdbeben direkt übereinander liegen. Tatsächlich aber „ schwimmen” sie laut Vött im Sediment.
Tsunamis gibt es im östlichen Mittelmeer historisch gesehen häufig. Dort schiebt sich die afrikanische unter die eurasische Platte. Durch die Reibung werden unterseeische Erdstöße ausgelöst, die einen Tsunami verursachen können. Der letzte schwere Tsunami ereignete sich 1908 in der Straße von Messina. Damals starben über 100 000 Menschen.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





