Kosmische Strahlung als Helfer
Schon länger jedoch haben Archäologen den Verdacht, dass sich im Inneren der Cheops-Pyramide noch weitere, unentdeckte Kammern oder Gänge verbergen könnten. Erste Anzeichen dafür hatten unter anderem Radardaten und Messungen der Schwerkraft ergeben, die Ergebnisse waren jedoch nicht eindeutig. Deswegen haben nun Kunihiro Morishima von der Nagoya Universität und seine Kollegen die berühmte Pyramide mit einer hochmodernen und zunächst ungewöhnlich erscheinenden Methode untersucht: Im Projekt ScanPyramids nutzten sie von der kosmischen Strahlung erzeugte Partikel, um das Innere der Cheops-Pyramide zu durchleuchten. “Myon-Partikel entstehen durch die Wechselwirkung von kosmischer Strahlung mit den Atomen der oberen Atmosphäre”, erklären die Forscher. “Rund 10.000 Myonen pro Quadratmeter und Minute treffen mit fast Lichtgeschwindigkeit auf die Erdoberfläche.”
Das Entscheidende dabei: Myonen können selbst hunderte Meter Stein durchdringen. Weil dabei aber einige dieser Teilchen abgelenkt oder absorbiert werden, ist der Strom der Myonen nach einer solchen Passage durch massiven Stein geringer als durch Material geringere Dichte oder Hohlräume. Deshalb lassen sich die Myonen nutzen, um Bauwerke wie die Cheops-Pyramide sozusagen zu durchleuchten. Für ihr Projekt haben Morishima und seine Kollegen zunächst über mehrere Monate hinweg Myon-Detektoren in der Königinnenkammer sowie in einem angrenzenden Gang ausgelegt. Ein spezieller Film zeichnete in diesen Detektoren jede Passage eines Myons auf. Anschließend stellten sie ebenfalls in der Königinnenkammer weitere Detektoren auf, die die Myonen auf Basis einer anderen Technik registrierten. Als dritte Methode kamen sogenannte Myonen-Teleskope zum Einsatz – auf Argongas beruhende Detektoren, die vor der Nordwand der Pyramide aufgestellt wurden.
30 Meter langer Gang
Jetzt haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse bekannt gegeben- und diese sind spektakulär. Denn die Myon-Daten deuten darauf hin, dass es oberhalb der Großen Galerie in rund 50 bis 70 Metern Höhe einen weiteren großen Gang geben könnte. “Wir haben einen unerwarteten und signifikanten Überschuss an Myonen in einer Region fast parallel zur Großen Galerie nachgewiesen”, berichten Morishima und seine Kollegen. “Der Myonen-Überschuss entspricht in etwa dem, der von der Großen Galerie erzeugt wird, das bedeutet, dass das Volumen dieses Hohlraums in der gleichen Größenordnung liegen muss.” Die Forscher schätzen, dass der neuentdeckte Gang mindestens 30 Meter lang ist und etwa den gleichen Durchmesser wie die Große Galerie besitzt.





