Die Griechen vor Troja fürchteten die Thraker. Und: Der größte aller Sänger stammt aus Thrakien – Orpheus, der mit seinem Gesang über die Sirenen und die Götter der Unterwelt triumphierte. Legende und Mythos sind geläufig, aber von den geschichtlichen Bewohnern des heutigen Bulgarien weiß man wenig bis nichts. Dabei war das Land an der Südwestküste des Schwarzen Meeres durch die Jahrtausende eine Drehscheibe für den Kulturtransfer zwischen Anatolien, Ägäis, Griechenland und Südosteuropa.
Der großformatige Katalog- und Leseband will dem verbreiteten Unwissen abhelfen. Das gelingt über weite Strecken des Buches – auch wenn es teils etwas mühsam zu lesen ist. Da die Thraker keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben, sind die Erklärer vor allem bei der Frühzeit des Landstrichs weitgehend auf archäologische Funde angewiesen. Da aber können sie auf wahre Schätze – etwa aus Gräbern – zurückgreifen. Und der Leser kann vieles anhand des exzellenten Bildmaterials direkt erfassen.
Zusammen mit den – ausführlich dargestellten – Berichten antiker Historiker wächst ein lebendiges Bild: Die Thraker liebten das Gold und die Pferde. Sie nahmen Ideen, Götter und Innovationen von allen Seiten auf und entwickelten sie weiter. Doch durch ihre innere Zerstrittenheit wuchsen sie nie zu wirklicher Größe zusammen und wurden schließlich von den Römern provinzialisiert.
Man sollte einmal hinfahren – das Buch weckt gewaltig die Reiselust.
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.) DIE THRAKER Das goldene Reich des Orpheus Zabern, Mainz 2004 384 S., € 45,– ISBN 3-8053-3341-2
Michael Zick





