Bitterstoffe weisen auf Heilkräuter hin
Die Forscher um Karen Hardy von der Universitat Autònoma in Barcelona hatten fossile Zähne von fünf Neandertalern untersucht, die einst am heutigen Fundort El Sidrón in Nordspanien lebten. Schon damals bildete sich an Zähnen Zahnstein, der durch Einlagerung von Mineralien in Zahnbelag entsteht. Zahlreiche Nahrungsbestandteile haben darin die Jahrtausende überdauert, wie die Analysen der Wissenschaftler zeigten. Sie offenbarten Stärkekörnchen aus einem breiten Spektrum pflanzlicher Kost, die teils Anzeichen der Einwirkung von Hitze durch Kochen aufweisen. Darüber hinaus fanden die Forscher aber auch Spuren spezieller Bitterstoffe, die für Pflanzen wie Kamille oder Schafgarbe typisch sind.
Den Forschern zufolge eignen sich diese Pflanzen nicht als Nahrungsmittel, denn sie sind energiearm und schmecken sehr bitter. Demnach gebe es nur eine plausible Erklärung für den Verzehr: Die Urmenschen ertrugen den bitteren Geschmack, weil sie die Wirkung dieser Kräuter nutzen wollten. Ein schlüssiges Verhalten, denn bis heute gelten Kamille und Schafgarbe als Heilkräuter, die desinfizierende beziehungsweise entzündungshemmende Wirkung besitzen. “Unsere Ergebnisse über den vielfältigen Verzehr von pflanzlichen Produkten legen nahe, dass die Neandertaler ein komplexes Wissen über die Nutzungsmöglichkeiten der Vegetation um sie herum besaßen ? das gilt sowohl für deren Nährwert als offenbar auch für Zwecke der Selbstmedikation?, resümiert Karen Hardy.





