Für ihre Studie statteten sie Dutzende von Vätern und Müttern kleiner Kinder mit Mikrophonen und Aufzeichnungsgeräten aus, die die Probanden ständig am Körper trugen. Damit zeichneten sie alle sprachlichen Interaktionen während des Tages auf – sowohl das Sprechen mit dem Kind als auch mit anderen Erwachsenen. Mit Hilfe einer Spracherkennungs-Software analysierten die Forscher die Sprachaufnahmen und ermittelten, ob und wie sich Sprache und Stimmlage änderten, wenn die Eltern mit dem Kind sprachen. Dies ist die erste Studie, die die verbale Interaktion von Vätern mit ihren Kindern in Alltag auf diese Weise untersucht, wie die Forscher betonen.
Kein “Motherese” bei Vätern
Das Ergebnis: Wie erwartet verfielen die Mütter in das typische “Motherese”, wenn sie mit dem Kleinkind sprachen. Doch bei den Vätern blieb dies aus: Ihre Intonation änderte sich nicht, sie sprachen mit ihrem Kind kaum anders als mit einem Erwachsenen. Zwar veränderte sich der Satzbau und die Wortwahl, nicht aber die Stimmlage oder Melodie, so die Forscher. Die typische Babysprache scheint demnach eher ein Mütter-typisches Phänomen zu sein – zumindest in den untersuchten Familien. Ob alleinerziehende Väter oder Väter in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ebenfalls keine ausgeprägte Babysprache zeigen, muss noch erforscht werden.
Wie die Forscher betonen, ist die fehlende Babysprache bei Männern aber nichts Schlechtes: “Es bedeutet nicht, dass Väter in dieser Hinsicht versagen”, sagt VanDam. Stattdessen vermuten die Forscher, dass dieser Unterschied zwischen Vätern und Müttern sogar eine wichtige Funktion haben könnte: “Wir vermuten, dass die Väter auf diese Weise ebenfalls zum Spracherwerb der Kinder beitragen – aber in anderer Weise als die Mütter”, erklären sie. Die normalere Sprache der Väter könnte eine Brücke bilden, die es den Kindern erleichtert, mit ungewohnten Sprechweisen der Außenwelt in Kontakt zu treten. “Die Eltern ergänzen sich damit bei ihrer Rolle für den Spracherwerb der Kinder”, sagt VanDam.





