Mumienforscher stehen oft vor einem Problem: Die Kartonnagen, in denen die einbalsamierten Leichname ruhen – bemalte Behältnisse aus vergipstem Papyrus und Leinen – dürfen nicht geöffnet werden, um die Mumien nicht zu beschädigen. Jetzt gelang es Wissenschaftlern am Britischen Museum in London erstmals, einen dreidimensionalen Blick ins Innere einer verschlossenen Kartonnage zu werfen. Mithilfe von Computertomografie und einer leis-tungsfähigen 3D-Visualisierung gewannen die Forscher ein virtuelles Abbild der Mumie von Nesperennub – einem ägyptischen Priester, der in Theben lebte und um das Jahr 800 v.Chr. am Westufer des Nils beigesetzt wurde. Mit einem Visualisierungssystem der Firma SGI erstellten die Museumsarchäologen ein lebensechtes, dreidimensionales digitales Ebenbild des Skeletts von Nesperennub mitsamt zahlreicher Grabbeigaben, das sie bequem am Rechner betrachten, zerlegen und beliebige Schnittbilder erstellen konnten. Aufregend für die Forscher: Sie konnten bei der Untersuchung der virtuellen Mumie ein mysteriöses, mützenartiges Objekt auf deren Kopf als eine Keramikschale identifizieren – ein bisher einmaliger Fund bei einem altägyptischen Verstorbenen.
Hans Groth





