Für die Wissenschaft bietet die einzigartige Gesichtsrekonstruktion, die erstmals vom Historischen Museum der Pfalz realisiert wurde, einen wichtigen Schritt in der aktuellen Forschung. Nach anthropologischen Untersuchungen gingen die Forscher bisher davon aus, dass es sich bei der Skythin um eine Frau europiden Typs handelte. Und das, obwohl sie im mongolisch-chinesischen Grenzgebiet lebte. Bereits eine erste Rekonstruktionszeichnung, die kurze Zeit nach der Ausgrabung Anfang der 1990er Jahre erstellt wurde, schien diese Folgerung zu bestätigen. Mit der nun angefertigten Rekonstruktion, die auf Basis des Originalschädels hergestellt wurde, hat das Historische Museum der Pfalz Gewissheit geschaffen: Auch hier zeigen sich deutlich die europiden Züge. Zwischen den Altai-Skythen europiden Typs und den Skythen der ukrainischen Steppen gab es offenbar Verbindungen. Das spricht zum einen für die weite Verbreitung der skythischen Völker in der Eisenzeit und zum anderen für ihre nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten gerichteten Wanderbewegungen. Diese führten sie demnach bis weit nach Sibirien und ins Altai-Gebirge.
Modernste Technik, neueste wissenschaftliche Methoden und die Fachkenntnisse verschiedenster Experten waren nötig, um die Schädelknochen zu analysieren und der Kriegerin Schritt für Schritt ein Gesicht zu geben. Jahrhunderte und Jahrtausende im sibirischen Eis hatten zwar für die gute Erhaltung ihrer sterblichen Überreste gesorgt, ihr Schädel jedoch hatte unter dem Druck des Eises Schäden erlitten. Dieser Umstand erschwerte das ohnehin aufwändige Verfahren ungemein.
Um die Knochen zu schützen, wurde eine Replik des Schädels angefertigt. Voraussetzung dazu waren eine exakte Analyse und Vermessung der Knochen. Das wissenschaftliche Team des Historischen Museums der Pfalz arbeitete dabei eng mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Aalen zusammen. Dort scannten die Experten per Computertomograph die Knochen und erstellten aus den Daten ein 3D-Modell. Allein dieser Vorgang nahm auf Grund der Schädeldeformation fünf Tage in Anspruch.
Im nächsten Schritt übergaben die Wissenschaftler das 3D-Modell an den Schweizer Präparator Marcel Nyffenegger, der für seine herausragenden Arbeiten bei der Weltmeisterschaft der Präparatoren in Salzburg 2008 mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde . „Der Schädel gibt Ansätze, Form und Dicke der Muskeln vor und zeigt, an welchen Stellen die Haut direkt auf dem Knochen zum Liegen kam“, erklärte Nyffenegger. Zwei Monate, von Mitte September bis Mitte Oktober 2010, setzte er die einzelnen Muskel- und Gewebeschichten zusammen, rekonstruierte Hautaufbau, Augen und Mimik. Das so entstandene Plastilin-Modell formte er in Silikon ab und goss die Form mit einer Gummimischung ab. Erst jetzt begann die mühevolle Arbeit, Augenbrauen, Wimpern und Kopfhaar einzusetzen. Mehr als 100.000 Strähnchen waren nötig, um das Haar realistisch nachzubilden.





