Die Tonintervalle variierten bei den Briten sowohl in Sprache als auch in der Musik deutlich stärker als bei den Franzosen, zeigte die Auswertung der Daten. Französische Musik klingt demnach ruhiger und weicher als britische ? genauso, wie sich französische Gespräche fließender anhören als das eher abgehackte britische Englisch. Bereits in einer früheren Studie hatte das Forscherteam herausgefunden, dass sich auch der Rhythmus einer Sprache in der zugehörigen Musik wiederfindet. Die Muttersprache präge demnach tatsächlich die Musik eines Landes, kommentieren die Forscher.
Die Musik eines Komponisten spiegelt die Sprachmelodie seiner Muttersprache wider: Unterscheidet sich beispielsweise die Tonhöhe aufeinanderfolgender Silben in einer bestimmten Sprache stark, zeigt auch die Musik der entsprechenden Komponisten ausgeprägtere Tonsprünge. Das haben amerikanische Forscher entdeckt, als sie französische und britische Kompositionen miteinander verglichen. Über die Arbeit von Aniruddh Patel vom Neurowissenschaftlichen Institut in La Jolla und seinen Kollegen berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift Nature.
Patel und seine Kollegen zeichneten verschiedene Sätze auf, die in britischem Englisch und in Französisch gesprochen waren. Anschließend analysierten sie die Aufnahmen mit einer Software, die neben der Tonhöhe jedes gesprochenen Vokals auch den Tonhöhenunterschied zwischen aufeinanderfolgenden Silben bestimmte. Die gleiche Analyse nahmen die Forscher anschließend bei Musikstücken britischer und französischer Komponisten aus dem ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert vor, darunter Edward Elgar und Claude Debussy. Modernere Musiker wurden nicht mit einbezogen, weil bei ihnen der Effekt der Muttersprache möglicherweise durch die insgesamt größere Vielfalt kultureller und sprachlicher Einflüsse überdeckt wurde.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





