In Jäger- und Sammlerkulturen gab es seit jeher typische Aufgabenbereiche für die Geschlechter, könnte man meinen: Die Frauen versorgten die Gruppen mit Beeren, Wurzeln und Co, die Männer schafften hingegen die Jagdbeute herbei. Dieser Schluss liegt nahe, denn diese Aufteilung ist von jüngeren Jäger- und Sammlerkulturen bekannt und auch in der heutigen westlichen Kultur ist die Jagd eine typische Männersache. Ob das schon immer so war oder sich erst durch kulturelle Entwicklungen herausgebildet hat, ist allerdings fraglich: Unter Wissenschaftlern ist generell umstritten, inwieweit es in den frühen menschlichen Gemeinschaften schon eine so klare geschlechtsspezifische Arbeitsteilung gegeben hat.
Demnach könnten die Tätigkeiten von den Mitgliedern der Gruppen auch eher von den individuellen Fähigkeiten bestimmt gewesen sein, die bei Männern und Frauen bekanntlich eine erhebliche Variationsbreite aufweisen. Um für eine große Ausbeute zu sorgen, könnten entsprechend alle fähigen Gruppenmitglieder in die gemeinschaftlichen Jagdaktivitäten eingebunden gewesen sein. Wie die Forscher um Randall Haas von der University of California in Davis berichten, gab es bereits archäologische Hinweise darauf, dass auch die Frauen der frühen Bewohner des amerikanischen Doppelkontinents Jägerinnen gewesen sein könnten. Ihre aktuellen Untersuchungsergebnisse runden diese Hinweise nun zu einem deutlichen Gesamtbild ab.
Jagdwerkzeuge in einem Frauengrab
In den Fokus rücken die Forscher dabei eine Entdeckung vom Fundort Wilamaya Patjxa im Hochland von Peru. Es handelt sich um ein Grab, das auf ein Alter von 9000 Jahren datiert wurde. Neben einem Skelett befanden sich darin Beigaben, die das Forscherteam eindeutig als Jagdwerkzeuge interpretierte. Neben scharfen Steinobjekten, die wohl dem Zerlegen von Tierkörpern gedient haben, waren dies Geschossspitzen. Sie saßen den Forschern zufolge einst auf Speeren, die geschleudert wurden und in der damaligen Zeit typischerweise der Jagd auf Großwild dienten.
Wie die Forscher erklären, geht man in der Archäologie in der Regel davon aus, dass es sich bei Grabbeigaben um Gegenstände handelt, die das verstorbene Individuum zu Lebzeiten benutzt hat. Im Fall des Grabes von Wilamaya Patjxa ließen die Merkmale der Knochen bereits vermuten, dass es sich um eine 17 bis 19-jährige Frau gehandelt hat. Diesen Verdacht konnte dann eine Geschlechtsbestimmung anhand von Proteinmaterial aus den Zähnen bestätigen. Zudem ergab eine Isotopenanalyse an den Überresten, dass die Ernährung der Frau stark auf Fleisch basierte. Den Forscher zufolge ist auf der Grundlage der Funde davon auszugehen, dass die Frau vor rund 9000 Jahren selbst auf die Jagd gegangen ist.





