In Labors der amerikanischen Streitkräfte unweit der Olympiastadt Salt Lake City ist nach Erkenntnissen der “Washington Post” und anderer US-Medien waffenfähiges Milzbrand-Pulver hergestellt worden. Dazu verwendete hoch ansteckende Sporen gehörten zur so genannten Ames-Linie und glichen damit jenen, die im Oktober in Anthrax-Briefen an zwei US-Senatoren sowie an TV-Journalisten in Briefen verschickt worden seien, berichtete die Zeitung am Donnerstag. “Von keinem anderen Staat ist bekannt, dass dort waffenfähiges Ames hergestellt wurde.” Das FBI ermittle, lehne jedoch bisher Stellungnahmen ab.
Nach einem ähnlichen Bericht, den bereits am Mittwoch die Zeitung “Baltimore Sun” brachte, habe das US-Militär noch am selben Tag die Herstellung geringer Mengen von waffenfähigem Anthrax-Pulver seit 1992 eingeräumt. Dies sei für Experimente zu Verteidigungszwecken nötig gewesen, hieß es laut “Washington Post” in einer Stellungnahme des Biowaffen-Instituts der Armee Dugway Proving Ground. Die Einrichtung ist rund 130 Kilometer von Salt Lake City (US-Bundesstaat Utah) entfernt.
Geringe Menge des in Utah unter größter Geheimhaltung hergestellten Anthrax-Pulvers seien seinerzeit zwischen den Dugway-Labors und anderen militärischen Forschungseinrichtungen hin- und hergeschickt worden. Vertreter der Armee hätten jedoch erklärt, dass der Verbleib aller dieser Anthrax-Bestände genau belegt sei. Die Streitkräfte arbeiteten bei den Ermittlungen mit dem FBI zusammen.
Biowaffen-Experten der USA zeigten sich verwundert über die nun bekannt gewordene Herstellung von Waffen-Anthrax. “Das ist schon ein gewisser Schock”, zitierte die Zeitung Jonatan Tucker, früher Mitglied der UN-Waffenkontrollgruppe im Irak und heute Direktor der US-Zentrums für Studien zur Nichtweiterverbreitung von chemischen und biologischen Kampfstoffen in Washington.
dpa