Nur vier bis sechs Generationen
Dass dies tatsächlich der Fall gewesen ist, belegen nun die aktuellen Ergebnisse. Sie basieren auf der Untersuchung eines 40.000 Jahre alten Kieferknochens aus der sogenannten Oase-Höhle im Südwesten Rumäniens. Einem internationalen Forscherteam gelang es, dem Fossil genetisches Material zu entlocken. “Wir hatten zuvor schon gezeigt, dass es sich tatsächlich um den bisher ältesten Fund eines modernen Menschen in Europa handelt, und nun wird durch die Forschung bestätigt, dass diese Person einen Neandertaler zum Vorfahren hatte. Was hätte man sich sonst noch wünschen können?”, sagt Co-Autor Silviu Constantin von der Romanian Academy of Science, der an der Datierung der Fundstätte mitgearbeitet hat.
Die Analysen offenbarten im Detail: Etwa fünf bis elf Prozent der DNA des Mannes stammten von Neandertalern, darunter auch sehr lange Abschnitte einiger Chromosomen. Anhand der Länge dieser genetischen Abschnitte schlossen die Forscher, dass nur wenige Generationen ihn von einem Neandertaler-Ahnen trennten. Zu den Vorfahren der heutigen europäischen Bevölkerung scheint der Mann aus der Oase-Höhle allerdings nicht zu gehören, zeigten die genetischen Vergleiche. “Es kann sein, dass er Teil einer frühen Migration moderner Menschen nach Europa war, die eng mit Neandertalern interagierten, schließlich aber ausstarben”, sagt David Reich von der Harvard Medical School, der die populationsgenetischen Untersuchungen der Studie koordinierte.
Hoffnung auf mehr Funde
“Es ist so ein fantastischer Glücksfall, eine Person zu finden, die so nah mit einem Neandertaler verwandt war”, kommentiert Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, der die Studie leitete. “Ich konnte es kaum glauben, als wir die Ergebnisse zum ersten Mal gesehen haben.” “Wir hoffen, dass wir anhand von Überresten weiterer moderner Menschen, die vor dem Aussterben der Neandertaler gelebt haben, das Miteinander von Neandertalern und modernen Menschen noch detaillierter rekonstruieren können”, ergänzt Co-Autorin Mateja Hajdinjak.





