Wale waren angesichts ihrer Größe in der Vergangenheit eine wichtige Rohstoffquelle für Menschen. Ihr Fleisch diente als Nahrung, ihr Öl als Brennstoff und ihre Knochen als Material für Werkzeuge – oft Spitzen und Schäfte von Jagdwaffen –, wie Überlieferungen und Funde dokumentieren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem Bevölkerungen in Küstenregionen oft stark vom Walfang abhängig waren und teils nur dank der Meeressäuger überlebten. Doch wann genau begannen Menschen, Wale aktiv zu jagen und ihre Knochen zu nutzen? Diese Fragen lassen sich zwar mithilfe von archäologischen Funden beantworten. Allerdings ist es schwierig, diese Artefakte in Küstengebieten zu bergen, da der Meeresspiegel seit der Steinzeit erheblich gestiegen ist. Daher bleiben meist nur jene Materialien zugänglich, die prähistorische Jäger und Sammler einst weiter ins Landesinnere getragen haben.

Walknochen belegen Blütezeit der Walverarbeitung
Ein Team um Krista McGrath von der Autonomen Universität Barcelona hat nun Relikte untersucht, die in den vergangenen zehn Jahren an der spanischen und französischen Küste im Golf von Biskaya gefunden wurden. Darunter waren 83 Werkzeuge aus Knochen, die an verschiedenen Stellen in der Biskaya-Bucht ausgegraben wurden, sowie 90 unbearbeitete Knochen aus der Santa-Catalina-Höhle in der gleichnamigen Provinz Bizkaia im spanischen Baskenland. Die Fundstellen deuten darauf hin, dass die Relikte aus der Magdalénien-Kultur und damit aus der europäischen Steinzeit stammen. Mittels Massenspektrometrie, Radiokarbondatierung und Isotopenanalysen bestimmten die Forschenden das genaue Alter und die Herkunft der Knochen sowie die einstige Nahrung der Tiere.
Das Ergebnis: Bei den allermeisten Relikten handelt es sich tatsächlich um Walknochen. Nur rund 20 Prozent stammen wider Erwarten von Knochen oder Geweih großer Landtiere wie Mammut, Nashorn, Rentier und Pferd. Einige Knochen gehören zudem zu einem Delfin und einem Seehund. Die Relikte wurden unabhängig ihrer Herkunft auf ähnliche Weise und zu ähnlichen Jagdwaffen verarbeitet, wie das Team feststellte. „Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass die europäischen Jäger und Sammler im Pleistozän über die notwendigen Technologien zur Jagd auf diese Wale verfügten, wie etwa die Seefahrt oder mehrzackige Spitzen, die als Harpunenköpfe hätten verwendet werden können“, schreiben die Forschenden. Sie vermuten daher, dass die Menschen in der Steinzeit nur die Knochen von gestrandeten Walen nutzen und nicht aktiv auf Walfang gingen.






