Unter der sengenden Sonne Äthiopiens sind Anthropologen und Biologen zusammen mit Ur- und Frühgeschichtlern auf der Suche nach Überresten der ersten Menschen. Peter Weber, Wissenschaftsjournalist beim Österreichischen Rundfunk, hat sie begleitet und ein Buch geschrieben, das sich liest wie ein Abenteuerroman. Dabei gibt es einen ausgezeichneten Überblick über die Entwicklung des menschlichen Gehirns.
Weber geht es vor allem darum, wie es zu der gewaltigen Volumenerweiterung kam, die das Gehirn des Homo sapiens vom Gehirn der ersten Hominiden unterscheidet. Woher nahmen die Frühmenschen die nötigen Kalorien, die das Gehirn zum Wachsen dringend brauchte? Bis vor einigen Jahren glaubte man, dass sie Fleisch im Überfluss erbeuteten. Doch das ist wohl falsch, wie akribische Untersuchungen der Mahlzeiten bei den letzten Jäger- und Sammlervölkern gezeigt haben. Deren Kalorienzahl belegt, dass die Jagd allenfalls sporadisch den Magen füllen kann. Eine andere These lautet: Unsere Vorfahren machten Geiern und Hyänen das Aas streitig.
Eine verblüffende Idee haben der Wiener Madenexperte Martin Grassberger und der Anthropologe Gerald Takehisa-Silvestri: Ein Stück Aas wird rasch von vielen Kilo fetten, eiweißreichen Maden besiedelt – und während ein Bissen vom verfaulenden Kadaver wohl selbst abgehärteten Urmenschen den Magen verdorben hätte, sind die Maden appetitlich keimfrei. Heute können wir es uns leisten, Maden eklig zu finden, weil wir, dank unserem größeren Gehirn, inzwischen die Filetstücke genießen. Antonia Rötger
Peter F. Weber DER DOMESTIZIERTE AFFE Walter-Verlag, Düsseldorf/Zürich 2005 248 S., € 19,90 ISBN 3-530-42189-8





