Kirchen mit Eigenleben
Zum Beispiel in der Pariser Nôtre Dame, die von 1163 bis 1345 errichtet wurde: Im Fall dieser Kathedrale konnte Tallon feststellen, dass sich der Bau permanent ausdehnt und verschiebt. Damit konnte er widerlegen, was Kunsthistoriker lange vermuteten – dass gotische Kathedralen ihre Wirkung deshalb erzielen, weil die Architekten bewusst Unregelmäßigkeiten eingebaut hätten. Doch ganz im Gegenteil: Sie strebten eine perfekte Symmetrie an, doch einmal erbaut, entwickeln die Kirchen Eigenleben, Mauern und Pfeiler heben und senken sich.
Neben Nôtre Dame hat Andrew Tallon weitere französische Kathedralen vermessen – und stellte fest, dass sich seit dem Mittelalter nicht nur das Antlitz vieler Kirchen stark verändert hat, sondern damit auch die Akustik der Kirchenräume. Indem er die Kathedralen am Rechner in ihren Originalzustand zurückversetzte, konnte Tallon auch die Wirkung von mittelalterlicher Musik rekonstruieren. Was bei seinen Klangforschungen herauskam und wie die mittelalterlichen Architekten Baufehler behoben, lesen Sie ausführlich in der aktuellen bild der wissenschaft.





