Experimentelle Spiele mit Dilemma
Die Teilnehmer mussten sich dabei in Zweierteams zwischen einer egoistischen oder einer kooperativen Strategie entscheiden, ohne sich absprechen zu können. Der dickste Gewinn stand in Aussicht, wenn sich nur einer der beiden egoistisch verhielt – er bekam dann den ganzen Batzen, während der andere maximal ausgebeutet wurde. Verhielten sich allerdings beide egoistisch, bekam keiner etwas. Entschieden sich die Partner jedoch jeweils für Kooperation, gab es für beide einen mittleren Gewinn. Dieses Konzept des Spiels wird in der psychologischen Forschung Gefangenen-Dilemma bezeichnet. Das Dilemma besteht darin, nicht zu wissen, wie sich der andere entscheiden wird. Dadurch versuchen die Partner, das Verhalten des anderen abzuschätzen. Daraus ergibt sich wiederum: Erwartet ein Teilnehmer vom Partner ein egoistisches Verhalten, so wird er ein ebenso egoistisches Verhalten wählen. Schätzt man ihn hingegen als kooperativ ein, wird man ebenfalls kooperieren.
Im Rahmen des Spiels der Studie kannten die Teilnehmer vom anderen nur ein Merkmal: die Nationalität. Um einen Einblick zu gewinnen, wie die Teilnehmer ihre Erwartung gebildet haben, wurden sie anschließend gefragt, wie sie ihre Mitspieler einschätzen. Dabei standen typische Kriterien der Kooperationsbereitschaft im Fokus – wie vertrauensvoll, freundlich, großzügig oder sympathisch die Teilnehmer ihren unbekannten Partner empfunden haben.
Klischees prägen das Spiel
Es zeichnete sich ab: Die Spieler besaßen tatsächlich ländergeprägte Klischees vom Verhalten ihrer Mitspieler. In diesem Zusammenhang inkompatible Erwartungen wurden beispielsweise bei den US-Amerikaner besonders deutlich: Sie versprechen sich offenbar häufig eine hohe Kooperationsbereitschaft von Japanern, aber eine sehr geringe von Israelis oder Indern. Menschen aus Israel gehen wiederum von einer sehr hohen Kooperationsbereitschaft von Partnern aus den USA aus und sind deshalb ihrerseits besonders kooperationsfreudig. Japaner stellten sich hingegen tendenziell als eher pessimistisch heraus, was das kooperative Verhalten anderer Nationalitäten betrifft. Die Deutschen liegen für sie dabei übrigens im Mittelfeld.
Die Forscher kommen letztlich zu dem Fazit: Die Teilnehmer folgten stereotypen Vorstellungen, die sich oft als falsch erwiesen und dadurch zu Inkompatibilitäten führten. Negativ traf dies offenbar besonders die Israelis, von denen durchschnittlich eine geringe Kooperationsbereitschaft erwartet wurde, obwohl sie durchaus zum Teilen bereit sind. Bei den Japanern war der Zusammenhang hingegen tendenziell umgekehrt: Sie wurden als besonders kooperativ eingeschätzt, was aber oft nicht zutraf. Vermutlich, weil die Japaner von anderen wiederum keine große Neigung zur Zusammenarbeit erwarten.





