Ein neues Modell sagt Ein- und Auswanderbewegungen zwischen Nationen besser vorher als bisherige Verfahren. Die neue Methode baut auf älteren Modellen auf, die oft sehr fehlerbehaftet gewesen seien, erklären die Entwickler um Joel Cohen von der Rockefeller-Universität in New York. Eine genaue Schätzung von Migrationsbewegungen sei besonders in Zeiten sinkender Geburtenraten wichtig, um den Bedarf an Arbeitsplätzen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen besser vorhersagen zu können.
Inzwischen leben weltweit etwa 200 Millionen Menschen außerhalb ihres Geburtslandes, doch die Muster, nach denen Menschen in andere Länder auswandern, sind schwer vorherzusagen. Um bisherige Modelle zu verbessern, sammelten Cohen und sein Team über 43.600 Ein- und Auswanderungsberichte aus elf Ländern, darunter Deutschland, Großbritannien, die USA und Australien. Die Daten, die von den Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt wurden, stammten aus den Jahren 1960 bis 2004 und umfassten Einwanderer aus 228 Ländern und Auswanderer mit 195 verschiedenen Zielländern. Zusätzlich speisten die Wissenschaftler weitere Daten in ihr Modell ein, wie die Bevölkerungsdichte eines Landes und die Entfernung zwischen Auswanderungs- und Zielland.
?Das Modell hat eine Vorhersagegenauigkeit von ungefähr 60 Prozent?, sagt Cohen. ?Kein anderes ist auch nur annähernd so genau.? Bisherige Modelle seien sogar zum Teil so fehlerhaft gewesen, dass sie Auswanderungsraten vorhersagten, die höher waren als die Bevölkerung des Landes selbst, erläutert der Bevölkerungsforscher. Das Modell müsse zwar noch weiter verbessert werden, die Vereinten Nationen würden es jedoch als zukunftsweisenden Ansatz betrachten, der in Zukunft von allen Nationen verwendet werden könnte. Allerdings seien auch die Ein- und Auswanderungsdaten eines Landes oft unvollständig oder fehlerhaft, so Cohen. ?Ich hoffe, dass das Modell viele Länder dazu anregt, bessere Standards für die Datensammlung zu entwickeln?, sagt der Mathematiker.
Da weltweit die Geburtenraten sinken, spielen Ein- und Auswanderungsbewegungen eine immer größere Rolle für die Bevölkerungszahlen eines Landes. ?Dies trifft vor allem auf Länder zu, in die viele Menschen einwandern?, sagt Cohen. So halten beispielsweise die Einwanderungsströme von Mexiko in die USA und von der Türkei nach Deutschland weiterhin an.
Joel Cohen (Rockefeller-Universität in New York) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0808185105. ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein