Hirnzellen können Jahrhunderte überstehen. Das haben Forscher um Frank Rühli und Christina Papageorgopoulou von der Universität Zürich nachgewiesen. Sie hatten das Gehirn der Mumie eines 18 Monate alten Kindes aus dem 13. Jahrhundert seziert. Die Überreste waren 1998 in der Bretagne ausgegraben worden, danach konservierte man das Hirn in Formalin. Das Organ hatte zwar 80 Prozent seines ursprünglichen Gewichts verloren, doch als die Wissenschaftler es jetzt untersuchten, stellten sie zu ihrer Überraschung fest: In dem Gehirn waren immer noch zelluläre Strukturen von Neuronen und Blutgefäßen vorhanden.
Grund für die hervorragende Erhaltung des Gehirns sind laut Rühli die speziellen Bedingungen im Grab des Kindes. Es lag in dem Ort Quimper am Atlantik in der Nähe von drei Bachzuflüssen. In dem sauren Lehmboden dort war immer wieder Salz- und Süßwasser in das Grab eingedrungen. Dies begünstigte die sogenannte Adipocire. Bei diesem chemischen Vorgang wird das Fettgewebe einer Leiche zu einer seifenähnlichen Substanz abgebaut. Dies verlangsamt die Verwesung oder kann sie sogar stoppen.
Rühli hält es für lohnend, bei künftigen archäologischen Untersuchungen von Mumien zelluläre Analysen durchzuführen. Denn ihre möglicherweise erhaltenen Hirnzellen könnten Hinweise auf Krankheiten oder sogar die Evolution des Gehirns geben.





