Obwohl die Einäscherung weltweit eine jahrtausendealte Praxis ist, war sie im Christentum aufgrund der Vorstellung einer untrennbaren Einheit von Leib und Seele im Jenseits für über 1000 Jahre kaum verbreitet. Dennoch wuchs im protestantischen Europa der Wunsch nach alternativen Bestattungsformen. Hier spielten vor allem hygienische Bedenken, Platzmangel auf Friedhöfen und eine sich wandelnde Perspektive auf den Tod eine Rolle. Gotha etablierte sich als Vorreiter dieser Bewegung. Von 1879 bis 1882 wurden in dem Krematorium insgesamt 100 Menschen eingeäschert, wobei ein Großteil von ihnen der evangelischen Konfession angehörte. Die Zahl der Feuerbestattungen nahm stetig zu. Heute sind drei Viertel aller Bestattungen in Deutschland Urnenbestattungen.





