Die Gründe dafür sind bis heute unklar. Erst deutlich spätere Quellen unterstellen, Mutter und Sohn hätten ein inzestuöses Verhältnis unterhalten, was dem gläubigen Konstantin unerträglich war. Vor allem christliche Schriftsteller waren bemüht, die brutale Bluttat des Kaisers zu rechtfertigen. Die Wahrheit dürfte banaler sein. Cris-pus hatte 324 einen wichtigen Sieg in einer Seeschlacht errungen und stellte nach diesem Triumph für seinen Vater und dessen fragile Macht eine Bedrohung dar.
Über Jahrzehnte hatte Konstantin genau registriert, wie schnell Loyalitäten – auch in Familien – umschlagen können. Er hatte Crispus 317 zum Caesar ernannt, als dies im Rahmen der Tetrarchie üblich gewesen war. Damals hatte er demonstriert, dass mit dem Jungen ein Nachfolger bereitstand. Neun Jahre später bedeutete Machtsicherung für Konstantin, keinen Rivalen mehr neben sich zu dulden.
akg-images





