Im aktuellen DAMALS-Heft (09/2013) befasst sich der Artikel “Tanzen unter freiem Himmel” ebenfalls mit diesem Thema. Die Schau in Nürnberg kann bis 19. Januar 2014 besichtigt werden.
Das 20. Jahrhundert ist wie keines zuvor von der Jugend geprägt. Erstmals in der Geschichte wurde Jugend als eigenständige gesellschaftliche Größe wahrgenommen. Der Begriff hatte sich um 1900 zum Synonym für Aufbruch und Erneuerung, für Zukunft und Visionen entwickelt. Wichtige Impulse gingen von der Lebensreformbewegung aus. Sie sprach sich gegen die Industrialisierung und für eine naturnahe, einfache Lebensweise aus – mit vegetarischer Ernährung, alkoholfreien Getränken und weitgeschnittener Kleidung. Junge Leute schlossen sich in Bünden wie dem “Wandervogel” zusammen. Auf gemeinsamen Fahrten, beim Wandern, Singen und Gitarre spielen sollte das Gruppengefühl der jungen Generation gestärkt werden.
Den Ersten Weltkrieg bejubelte man als großes gemeinschaftliches Abenteuer und zog 1914 begeistert auf “Große Fahrt”. Die Schrecken des Krieges zerstörten viele Ideale. In einer zunehmenden Politisierung suchte die Jugendbewegung neue Wege. Aus dem Wandern wurde das Marschieren, die Ausrichtung geriet zunehmend militärisch. Ein Meer von Flaggen wird in der Ausstellung einen Eindruck der aufmarschierenden Jugendlichen vermitteln. Es zeugt zugleich von der Faszination für gemeinsame Symbole und der Verführbarkeit der Verbünde durch politische Ideologien.
Dies machten sich die Nationalsozialisten und die Hitlerjugend zu Nutze. In der in der Ausstellung nachgezeichneten Biografie des Nürnberger Hitlerjungen Paul B. wird die fatale Nähe von jugendlicher Begeisterung und politischem Missbrauch deutlich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte die Jugendbewegung, an alte Ideale anzuknüpfen. Im Jahr 1964 öffnete sie sich mit dem ersten Open-Air-Festival in der Bundesrepublik auf Burg Waldeck einer neuen Zeit. Über die Musik sollte nun ein Anschluss an Europa und die Welt gelingen.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Witzenhausen.





