Über 3.600 Exponate aus verschiedenen Epochen und Regionen lockten 1910 hunderttausende Besucher in den Ausstellungspark auf der Münchener Theresienhöhe. „Meisterwerke muhammedanischer Kunst“ war bis heute eine der größten Ausstellungen über die Kunst des islamischen Kulturkreises.
Auf diese Weise leistete sie einen bahnbrechenden Beitrag zur Rezeption der islamischen Kunst in der westlichen Welt. Zwar sprach aus dem Aufbau der Schau durchaus eine eurozentrische Perspektive, doch inszenierte sie die gezeigten Kunstwerke erstmals explizit als Meisterwerke. Die innovative, puristische Darstellungsweise der Exponate trug ihren Teil dazu bei, dass die Ausstellung einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Für die wissenschaftliche Erforschung der islamischen Kunst spielten die Ausstellung und insbesondere der dazugehörige Katalog eine Vorreiterrolle, in dem die Exponate mit Herkunft und Chronologie systematisch erfasst sind. Bis heute dient er als Nachschlagewerk. Die Schau trug maßgeblich zur Begründung der islamischen Kunstgeschichte als akademische Fachdisziplin bei.
Im Mittelpunkt der Retrospektive, die am 17. September im Haus der Kunst beginnt, stehen 30 Original-Exponate aus der vor 100 Jahren gezeigten Ausstellung. Darunter befindet sich die sogenannte Innsbrucker Schale aus dem 12. Jahrhundert, die eine Darstellung Alexanders des Großen ziert. Der makedonische Kriegsherr hatte einen Großteil der heutigen islamischen Welt erobert und war dort somit ein häufiges Motiv in der Kunst. Das Emaille-Gefäß fasziniert durch seine scheinbar schlichte Machart, die bei einem genaueren Blick jedoch höchste handwerkliche und künstlerische Qualität erkennen lässt.
Um die Originalexponate herum haben die Kuratoren eine Ausstellung zusammengestellt, die Werke aus den vergangenen 100 Jahren ebenso wie die zeitgenössische Kunst der islamischen Welt mit einbezieht. Zu sehen sind Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Schmuck aus verschiedenen islamischen Regionen, aber auch ganz moderne Kunstformen wie Fotografien oder Filme und auch Beispiele aus Mode, Design und Architektur. Viele der Ausstellungstücke spiegeln das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne wider, indem sie islamische Elemente mit westlichen Einflüssen verbinden. Zudem bietet das Haus der Kunst Künstlern, Kuratoren und Institutionen aus verschiedenen Regionen der islamischen Welt ein Forum, um ihre Werke zu präsentieren.
Die Ausstellung räumt auch modernen Kunstformen einen Platz ein und zeigt einige filmische Beiträge. Neben mehreren kürzeren Kunstfilmen zeigt das Haus der Kunst auch drei Langfilme: „Shirin“ des iranischen Filmemachers Abbas Kiarostami, die ägyptische Parodie „Domestic Tourism“ und die palästinensische Familiengeschichte „Taste the Revolution“.





