Der kleine Ort Endsee im Landkreis Ansbach besitzt bekanntermaßen eine Geschichte, die weit ins frühe Mittelalter zurückreicht. Deshalb rief eine dort geplante Baumaßnahme ein Team des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BlfD) auf den Plan. Im Rahmen ihrer Untersuchungen stießen die Archäologen dann tatsächlich auf Spuren der Vergangenheit: Sie entdeckten das Grab einer Frau und eines Mannes in nahezu paralleler Anordnung und West-Ost-Ausrichtung.
Eine „Sondergabe“ im Frauengrab
Dem Mann war neben seinem Leibgurt mit Bronzeschnalle und Gürteltasche eine komplette Waffenausstattung – Lanze, Schild und Spatha – beigelegt worden. In dem Frauengrab stießen die Archäologen hingegen auf eine deutlich ungewöhnlichere Beigabe, berichtet das BlfD: Es zeichneten sich die Konturen einer Eisenstruktur ab, die sich schließlich als das Gestell eines etwa 70 mal 45 Zentimeter großen Klappstuhls herausstellte. Seine Sitzfläche bestand offenbar einst aus Leder oder Stoff. Die Experten datierten diesen Fund auf die Zeit um 600 n. Chr. – die Ära, in der die Spätantike ins Frühmittelalter überging.
„Dieser auf den ersten Blick so neuzeitlich wirkende Fund ist eine absolute Seltenheit“, sagt BlfD-Leiter Mathias Pfeil. Funde wie dieser werden in der Forschung als „Sondergaben“ bezeichnet. Bislang sind europaweit in 29 frühmittelalterlichen Gräbern Faltstühle entdeckt worden, davon waren aber nur sechs aus Eisen. „Es ist der zweite Fund eines eisernen Klappstuhls aus dem Frühmittelalter in Deutschland. Er ist damit von höchstem kulturhistorischem In

teresse, denn er gibt Einblick in die Grabausstattung herausgehobener Bevölkerungsschichten und in den frühen Gebrauch von Möbeln“, so Pfeil.
Wer war die Tote?
Wie das BlfD schreibt, spricht die besondere Grabbeigabe dafür, dass die Verstorbene von gehobenem sozialen Rang war. Denn was man heute eher mit Camping und einem wenig repräsentativen Umfeld assoziiert, war einst eine „erhabene“ Sitzgelegenheit: Seit der römischen Antike wurden Klappstühle als ein Zeichen von Autorität, Macht und Würde angesehen. Wer die verstorbene Frau war, bleibt allerdings unklar. Nach der ersten anthropologischen Einschätzung war sie etwa 40 bis 50 Jahre alt. Um den Hals trug sie eine Perlenkette aus kleinen mehrfarbigen Glasperlen. An ihrem Gürtel befand sich ein Gehänge, zu dem ein mit dem roten Schmuckstein Almandin besetztes Element gehörte und eine sogenannte Millefioriperle. Neben dem Klappstuhl war der Verstorbenen noch eine Spinnwirtel beigelegt worden und offenbar eine Fleischbeigabe, von der ein Tierknochen zeugt.





