Der amerikanische Historiker bietet eine Panoramaaufnahme des Planeten im Jahr 1688. Das kennt man als das Jahr der „Glorious Revolution“ in England, und man wird einige berühmte Europäer nennen können, die in jenem Jahr Spuren in der Geschichte hinterließen: den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. zum Beispiel, die Philosophen Leibniz und Locke. An Henry Purcell wird man denken oder an Isaac Newton. Sie alle finden sich bei John Wills anschaulich charakterisiert. Europa wird nicht an den Rand gedrängt. Hier schreibt niemand eine neue Weltgeschichte „von außen“, die alle gewohnten Proportionen außer Kraft setzt.
Aber das Europa von 1688 war nicht so einzigartig und überlegen, wie es immer noch oft erscheint. In Thailand (Siam) fand in jenem Jahr eine politische Revolution statt, die für die Geschichte des Landes nicht weniger wichtig war als die Entmachtung der Stuarts in England. In China konnte es der Kangxi-Kaiser an Macht und Glanz mit dem Sonnenkönig aufnehmen, an Staatsklugheit und Bildung war er ihm voraus.
Das Buch leuchtet in viele Winkel der Welt hinein: in den Kongo und ins katholisch- barocke Mexiko, in den wohlgeordneten Staat der japanischen Shogune, in die holländisch regierte „Welthauptstadt“ Batavia (Jakarta) und in das Pilgerzentrum Mekka. Fast immer findet John E. Wills ein anschauliches Dokument, das er zitieren kann. Kein Buch hat bisher mit ähnlichem Erfolg die „frühe Neuzeit“ räumlich entgrenzt. Der Gesamteindruck ist dabei eher pointillistisch. Oft scheint die Reihenfolge der Episoden willkürlich zu sein; Zusammenhänge treten hinter örtlichen Besonderheiten zurück. Wills liefert das Rohmaterial für weitere Analysen. Er tut es ebenso packend wie seriös.
Rezension: Osterhammel, Jürgen





