Der erste Abschnitt der Darstellung widmet sich der politischen Vorgeschichte des Kriegs und skizziert die unterschiedlichen Interessenlagen der beiden mächtigsten Staaten des Deutschen Bunds zwischen Vormärz und Kriegsausbruch. Ausführlich behandelt Bremm hier wie auch in den folgenden Kapiteln den Werdegang und die politische Strategie Bismarcks, dem er mit erkennbarer Sympathie begegnet. Den größten Teil der Studie macht allerdings die folgende militärhistorische Analyse der Kampfhandlungen aus, wobei sich der Autor in verschiedenen Exkursen mit weiteren Aspekten wie der militärischen Bedeutung der Telegraphentechnik und den letzten Einsätzen von Rammschiffen in der maritimen Kriegsführung befasst. Der militärgeschichtliche Teil der Darstellung lenkt den Blick auch auf die im Allgemeinen wenig beachtete Tatsache, dass die Donaumonarchie im Jahr 1866 einen Zweifrontenkrieg führte. Während an der einen Front die österreichische Nordarmee den Streitkräften Preußens gegenüberstand, musste die Südarmee gleichzeitig eine Offensive des preußischen Verbündeten Italien abwehren. Dementsprechend nimmt auch die Geschichte des Risorgimento einen größeren Platz in Bremms Darstellung ein. Der letzte Abschnitt des Buchs ist dann den politischen Konsequenzen des Kriegsausgangs gewidmet, wobei auch die weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen im habsburgischen Vielvölkerstaat behandelt werden.
Die einzelnen militärischen Operationen der Kriegsparteien analysiert Bremm mit scharfem Blick und großer Sachkenntnis. In ihrer Schwerpunktsetzung richtet sich die äußerst detailreiche Studie dabei vor allem an Wissenschaftler oder Laien mit militärhistorischem Interesse. Die ständig wiederholte Schilderung von Gefechten und Scharmützeln dürfte auf manch andere Leser mitunter auch ermüdend wirken. Bemerkenswert aber ist, wie Bremm, selbst ehemaliger Bundeswehroffizier und Lehrbeauftragter der Universität Osnabrück, an zahllosen Beispielen die Fehler und Versäumnisse der militärischen Befehlshaber auf beiden Seiten herausarbeitet, für die ihre Soldaten in vielen Fällen mit dem Leben bezahlen mussten. Sehr eindrücklich ist etwa eine Episode, in der der österreichische Feldmarschall Gablenz mehrere Regimenter zum verlustreichen Sturmangriff auf eine Anhöhe trieb, die er noch kurz zuvor ohne nachvollziehbaren Grund hatte räumen lassen. Dass auch die preußische Militärmaschinerie nicht frei von Mängeln und Missständen war, verdeutlichen unter anderem die Reibereien zwischen Stabschef Moltke und dem greisen Infanteriegeneral Vogel von Falckenstein, der wiederholt Moltkes Befehle zu einem raschen Vorrücken eigenwillig ignorierte. Die militärischen Erfolge der preußischen Armee lassen sich letztlich, so legt es Bremms Darstellung nahe, nicht unwesentlich auf die technische Innovation des Zündnadelgewehrs und seine hohe Schussfrequenz zurückführen. Auf manche politischen Begleitereignisse des Kriegs hätte der Autor etwas ausführlicher eingehen können. Dies gilt vor allem für die Umstände der militärischen Besetzung Frankfurts, wo das schroffe Ultimatum eines preußischen Generals letztlich zum Suizid des Bürgermeisters Fellner führte. Doch liefert Bremm insgesamt eine umfassende und gut recherchierte Studie zu einem Krieg, der weitreichende Folgen für die Geschichte Deutschlands hatte.





