Wer sich lieber an Bücher halten möchte, der kann etwa die gelungene Schilderung des Schriftstellers György Dalos zur Hand nehmen. Mit ihm verfolgt man den wechselvollen Gang der dramatischen Ereignisse, vom ungeplanten Studentenprotest über den be‧‧waffneten Widerstand gegen die russischen Panzer und die Phase der Hoffnung auf Demokratisierung des Landes bis hin zur blutigen Niederschlagung des Aufstands. Mit vorurteilsfreiem Blick charakterisiert Dalos die Entscheidungsträger wie Imre Nagy oder János Kádár, aber auch die vielen namenlosen Aufständischen. Er weicht dabei nicht den weniger heroischen Szenen der Empörung aus, war es doch im Verlauf der Ausschreitungen auch zu teilweise antisemitisch motivierter Lynchjustiz gekommen.
Am Ende steht die Beobachtung, daß, so „chaotisch und vieldeutig“, wie der Aufstand war, auch die ungarischen Organisationen, die sich als seine Erben verstehen, noch heute erbittert miteinander in Fehde liegen und so ein gemeinsames Gedenken an die aufwühlenden Ereignisse des Jahres 1956 unmöglich machen.
Rezension: Talkenberger, Hike





