Segev dokumentiert die Vorgeschichte des Krieges: Sie begann mit einer Vorwärtspolitik Israels gegenüber Syrien. Beide Seiten provozierten Scharmützel an den Waffenstillstandslinien. Am 7. April 1967 griff die isrealische Luftwaffe ein – bis dahin hatte es nur Artilleriegefechte gegeben. Sie schoss im Verlauf des Tages sechs syrische Kriegsflugzeuge ab, ohne ein eigenes zu verlieren. Die Zeitung „Maariv“ berichtete fünf Seiten lang über den Sieg. Mit dem Argument, Nasser werde vor 1970 nicht in einen Krieg eintreten, die Aktion berge also kein Risiko, hatten die Militärs Eshkol zur Zustimmung überredet. Als Nasser dann doch seine Armee in den Sinai entsandte und erklärte, er gedenke die Ausfahrt ins Rote Meer für israelische Schiffe zu sperren, wollte Esh‧kol alle diplomatischen Möglichkeiten ausschöpfen, doch seine hohen Offiziere wollten angreifen. Am Ende fügte sich der Regierungschef ihrem Druck.
Tom Segev beschreibt nicht nur die Vorgänge auf der Ebene der Staatsführung. Er stellt das Geschehen auch in den Gesamtzusammenhang der israelischen Gesellschaft. Vor dem Krieg herrschte Krisenstimmung, vor allem wegen der wirtschaftlichen Flaute und zunehmender Arbeitslosigkeit. Nach dem Sieg brach eine gewaltige Euphorie aus. Die Emotionswelle erklärt, was nachher geschah. „Sie dachten, sie hätten gewonnen“, überschreibt Segev den vierten Teil seines Buches. Es gab viele Vorschläge, was mit den besetzten Gebieten geschehen solle, aber nie einen verbindlichen Beschluss darüber. Provisorium löste Provisorium ab, während die Siedler mit Nachhilfe ihrer Freunde in der Regierung über Jahre hinweg vollendete Tatsachen schufen.
Rezension: Hottinger, Arnold





