Kobalt wird heute vor allem in Batterien, als Katalysator und für Stahllegierungen eingesetzt. In der Vergangenheit war das Schwermetall aber vor allem als blaues Färbemittel für Keramik und Glas begehrt. Weil die Britischen Inseln nur über wenige, eher spärliche Kobaltvorkommen verfügten, wurde das Metall vorwiegend vom europäischen Festland importiert. Während der Napoleonischen Kriege von 1803 bis 1815 stockte dieser Nachschub jedoch. Daher begann man in England zu dieser Zeit, wieder vermehrt auf heimische Vorkommen zurückzugreifen.
Höhlenforscher entdecken verlassene Kobaltmine
Eine der englischen Kobaltminen lag damals bei Alderley Edge in der Grafschaft Cheshire. Der dortige Landbesitzer Sir John Thomas Stanley witterte angesichts der ausfallenden Importe vom Festland eine lukrative Einnahmequelle und vergab daher die Schürfrechte seiner Minen an Auftragnehmer zum Zwecke des Kobaltabbaus. Ab 1808 wurde daher in den Minen von Alderley Edge Kobalt abgebaut. Der Abbau wurde jedoch aufgegeben, als 1817 die Kobaltimporte vom europäischen Festland wieder zunahmen. Seit dieser Zeit sind die Minen verlassen und in Teilen verschüttet. Der britische National Trust hat einen Teil von ihnen an den Derbyshire Caving Club, einen lokalen Höhlenforscher-Verein, verpachtet.
Im Herbst 2021 stießen die Hobby-Höhlenforscher bei der Erkundung eines Tunnelnetzwerks am Grund eines tiefen Schachts auf eine zuvor unentdeckte, nahezu unberührt erhaltene Kobaltmine. “Im Laufe der Zeit hat unser Club schon eine ganze Reihe von verlassenen historischen Bergwerken erkundet und dabei einige Entdeckungen gemacht”, sagt Ed Coghlan vom Derbyshire Caving Club. “Aber viele dieser Bergwerke haben sich im Laufe der Jahre mit Geröll oder eingeschwemmten Sand gefüllt, andere waren zugänglich und alles Interessante wurde längst entfernt.” Umso seltener sei es, eine Mine in so unberührtem Zustand zu finden.
Alltagsobjekte, Finderabdrücke und rätselhafte Initialen
In der alten Kobaltmine entdeckten die Höhlenkundler 200 Jahre alte Bergbau-Utensilien, persönliche Objekte und Spuren der einst dort arbeitenden Bergleute. Unter den Funden sind der Metallknopf einer Jacke, Lederschuhe, eine Tonpfeife und ein Tontopf, der in einer Wandspalte verstaut war. Letzteres war, wie die hinzugezogenen Archäologen des National Trust erklären, damals ein gängiger Brauch, um sich beim Berg für eine reichhaltige Erzader zu bedanken. Sogar die Fingerabdrücke von Bergleuten in Resten von Kerzenwachs bleiben erhalten. Ein Stoffabdruck von der Kleidung eines Bergmanns an einer Wand zeugt davon, wo sich dieser Bergmann einst angelehnt hat.






