Rheinufer als Bollwerk gegen die Germanen
Der Limes markierte einst die Westgrenze des römischen Imperiums in Europa. Sein nördlichster Teil, der Niedergermanische Limes, erstreckte sich von der Nordseeküste bis nach Vinxtbach im heutigen Rheinland-Pflanz. Er sollte vor allem die feindlichen Germanen aus dem römischen Territorium fernhalten. Gleichzeitig jedoch prägte die starke römische Präsenz entlang des antiken Rheinufers die Kultur der im Einzugsgebiet lebenden Menschen nachhaltig.
Entstanden ist der Niedergermanische Limes vor fast genau 2000 Jahren – am 26. Mai des Jahres 17. Vorausgegangen war der Limesgründung die berühmte Varusschlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 n. Chr., bei der die Römer vernichtend geschlagen wurden. In den folgenden Jahren griff der römische Feldherr Germanicus die germanischen Stämme mit acht Legionen wieder und wieder an. Nach ständigen Kämpfen erklärte schließlich Rom die Feldzüge für siegreich beendet und legte die Grenze zwischen dem Römischen Reich und Germanien am Rhein fest – den Limes.
Spurensuche mit Magnetometer
Die Spuren der römischen Befestigungsanlagen und Kastelle dieser einstigen Grenze sind bis heute überall entlang des linken Rheinufers zu finden – aber noch längst nicht alle sind entdeckt und umfassend untersucht. Weil der Niedergermanischen Limes Teil des UNESCO-Welterbes “Grenzen des Römischen Reiches” werden sollen, untersuchen Archäologen zurzeit intensiv weitere Römer-Lager entlang des Limes.
Die Forscher des LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) setzten dabei auch ein spezielles Magnetometersystem ein. Mit diesem lässt sich der Untergrund auf wesentlich größerer Fläche untersuchen als bisher möglich. Die magnetische Durchleuchtung macht unter der Oberfläche verborgene Strukturen wie beispielsweise Mauerreste oder Pflasterungen sichtbar.
Zwei Legionen-Lager entdeckt
Dank dieser magnetischen Durchleuchtung konnten die Archäologen bereits erstaunliche Funde ans Licht bringen – ganz ohne Ausgrabung. So machte die Magnetometer-Messungen auf dem Fürstenberg bei Xanten die Grundrisse eines Zwei-Legionen-Lagers der 5. und der 21. römischen Legion sichtbar. Dass dieses Lager dort lag, hatten die Archäologen schon länger vermutet, jetzt lieferten die neuen Daten Gewissheit.
Besonders spektakulär ist die Entdeckung eines riesigen, vier Hektar großen Campus, eines mit Säulenhallen umstandenen Exerzierplatzes der Römer, im gleichen Gebiet. Von hier zogen die beiden Legionen aus, um die von den Germanen in der Varusschlacht erbeuteten Legionsadler zurückzuerobern, wie die Forscher erklären. Mit dem Triumphzug am 26. Mai 17 wurden die Eroberungspläne jedoch offiziell eingestellt. Der Rhein war nun die Grenze des Römischen Reiches.





