Das vertraute Donnern des Wassers wich einem gedämpften Grollen. Zeitzeugen beschrieben die Szenerie als „unwirklich“ – als hätte die Natur für einen Moment innegehalten. Ganz eingefroren waren die Fälle jedoch nicht; selbst in strengsten Wintern blieb der unterirdische Wasserlauf in Bewegung. Doch der Eindruck eines gefrorenen Wassersturzes prägte sich tief ein. Die Kältewelle von 1936 war Teil eines der härtesten Winter des 20. Jahrhunderts in Nordamerika. Vor diesem Hintergrund wurde das „Erstarren“ der Niagarafälle zu einem spektakulären Sinnbild für die Naturgewalten, die den Kontinent in dieser Zeit beherrschten. Mit dem Ende der Kälteperiode verschwand die eisige Kulisse. Sobald mildere Temperaturen einsetzten, brachen die Eismassen auf, und das Rauschen war wieder da. Zurück blieb die Erinnerung an einen Winter, der die Kraft der Fälle für kurze Zeit in gläserne Stille verwandelt hatte.





