Grabung in neo-hethitischer Königsstadt
Der Grenzbereich zwischen Syrien und der Türkei war in der Bronze- und Eisenzeit eine ebenso begehrte, wie umkämpfte Region. Hier führten wichtige Handelsrouten entlang und das Gebiet lag im Schnittpunkt gleich mehrerer großer Reiche und ihrer Einflusssphären. In Tayinat, im Südosten der Türkei, lag von 1000 bis 738 v. Chr. Kunulua, die Hauptstadt des neo-hethitischen Königreichs Patina.
Seit 2008 führt dort ein internationales Archäologenteam unter Leitung von Timothy Harrison von der University of Toronto Ausgrabungen durch. Seither haben sie in den Resten eines monumentalen Torkomplexes unter anderem eine Löwenstatue und die obere Hälfte eines monumentalen Standbilds des neo-hethitischen Königs Suppiluliuma entdeckt.
Überlebensgroße Frauenstatue
Jetzt haben die Forscher in diesem Torkomplex des alten Kunulua einen weiteren spektakulären Fund gemacht: Sie stießen auf die Fragmente einer 3000 Jahre alten Frauenstatue. “Die Statue wurde mit dem Gesicht nach unten in einem dicken Bett aus Basaltstücken entdeckt”, berichtet Harrison. “Unter den Fragmenten waren Teile der Augen, der Nase und des Gesichts.”
Nähere Untersuchungen enthüllten, dass dieses aus Basalt gefertigte Standbild einst vier bis fünf Meter hoch gewesen sein muss. Bisher jedoch haben die Archäologen nur den Kopf und Teile des Oberkörpers gefunden. Doch diese erwiesen sich wegen ihrer Kunstfertigkeit und ihres Motivs als ungewöhnlich: “Zu ihren beeindruckenden Merkmalen gehört ein Ring von Locken, der unter einem Schal hervorschaut, der ihren Kopf, die Schultern und den Rücken bedeckt”, so der Archäologe.
Göttin oder königliche Herrscherin?
Rätselhaft ist bisher, wen diese Frauenstatue darstellt: “Sie könnte ein Abbild von Kubaba, der Mutter der Götter im alten Anatolien darstellen”, sagt Harrison. “Aber es gibt auch stilistische und ikonografische Hinweise darauf, dass dieses Standbild eine menschliche Figur repräsentiert. Vielleicht die Frau des Königs Suppiluliuma oder – noch spannender – eine Frau namens Kupapiyas.”
Kupapiyas wird in zwei Inschriften erwähnt, die vor mehr als 50 Jahren bei Ausgrabungen im syrischen Hama gefunden worden sind. Demnach lebte sie Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr. und war die Frau des Königs Taita, dem Gründer der Königsdynastie von Tayinat. Den Inschriften nach soll Kupapiyas mehr als 100 Jahre lang gelebt haben und eine prominente Stellung innegehabt haben. Sie ist zudem die einzige Frau, die aus dieser Zeit überhaupt erwähnt wird.





