Zufallsfund beim Straßenbau
Eigentlich war es eine Routine-Untersuchung: Weil zwischen den norwegischen Städten Melhus und Ulsberg ein neuer Autobahnabschnitt gebaut werden soll, führten Archäologen der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) entlang der geplanten Trasse eine Suche nach möglichen archäologischen Relikten durch. Bereits 2014 hatten einige Funde darauf hingedeutet, dass dieses Gebiet einst besiedelt gewesen sein könnte.
Doch was sie nun unter der geplanten Autobahn-Trasse entdeckt haben, übertraf die Erwartungen der Forscher bei weitem. “Einen solchen Fund machen wir nur selten”, erklärt Projektleiterin Merete Moe Henriksen von der NTNU University Museum. Bei ihren Grabungen stießen sie und ihre Kollegen auf die Reste eines Steinringes und drei steinerne Grabkammern. Sie sind wahrscheinlich Teil eines Grabhügels, der einst zahlreiche Gräber enthielt, wie die Archäologen berichten.
Von einer Lehmschicht konserviert
Form und Machart der Gräber sprechen dafür, dass sie aus der Bronzezeit stammen und damit rund 3000 Jahre alt sind. Sie könnten damit eine der ältesten bisher bekannten Grabstätten Zentralnorwegens repräsentieren, sagen Henriksen und ihre Kollegen. In ersten Untersuchungen fanden sie Holzkohle und verbrannte Knochen in den Gräbern – ein möglicher Hinweis darauf, dass die Menschen damals ihre Toten verbrannten, bevor sie sie beerdigten.
Nach Ansicht der Archäologen könnten besonders günstige Umstände zu der ungewöhnlich guten Konservierung der Gräber beigetragen haben. Denn sie liegen unter einer bis zu zwei Meter dicken Lehmschicht, die die Relikte einschloss und so vor Erosion und anderen Störeinflüsse bewahrte. Spuren eines alten Erdrutsches sprechen dafür, dass dieser Erdrutsch sich vielleicht sogar schon kurz nach Anlage der Gräber ereignete.
Felszeichnung und Bronze-Gussform
Ganz in der Nähe der Gräber haben die Archäologen weitere Fundstücke aus der Bronzezeit entdeckt: Eine Felsplatte ist mit Ritzzeichnungen bedeckt, darunter sind mehrere eingekerbte Figuren sowie die Abbildung eines Fußes. Die Forscher vermuten, dass diese Platte einst Teil einer Grabkammer im Hügelgrab war. Ungewöhnlich daran: Dieser Fuß ist nackt, mit sichtbaren Zehen dargestellt. Die bisher bekannten Felsbilder zeigen dagegen meist beschuhte Füße, wie die Archäologen erklären.
Ein weiterer Fund ist eine Gussform, mit der einst die Bronzeklinge eines Beils hergestellt werden konnte. Ob diese Form einst einem der Toten als Grabbeigabe mit ins Jenseits gegeben wurde oder ob mit dieser Gußform Klingen für die Lebenden gegossen wurden, können die Archäologen noch nicht sagen. Allerdings wurden vor wenigen Monaten Beilklingen der gleichen Machart nur rund 40 Kilometer von den Gräbern entfernt entdeckt. Es sei daher durchaus wahrscheinlich, dass die Gussform damals der Versorgung der Lebenden diente, so die Forscher.





