Zeugnis des Umbruchs
Viele präkolumbianische Kulturen, darunter auch die Azteken, hielten wichtige Ereignisse in Codices fest – auf Tierhaut gezeichneten Manuskripten. Als die Spanier dann das Gebiet des heutigen Mexiko eroberten, nutzten sie häufig einheimische Schreiber, um Karten des Landbesitzes und der Geografie der von ihnen vereinnahmten Gebiete zu erstellen. Diese Kodizes liefern damit wertvolle Einblicke in die Frühzeit der spanischen Eroberung.
Von diesen Karten sind jedoch heute nur noch sehr wenige erhalten – entsprechend wertvoll sind sie. Eine davon ist die “Mapa de Ecatepec-Huitziltepec” auch als Codex Quetzalecatzin bekannt. Diese Karte wurde im Jahr 1593 im Rahmen der königlich-spanischen Erkundung des nördlichen Oaxaca und südlichen Teils der Provinz Puebla gezeichnet. Wie bei vielen Codices aus dieser Zeit waren die Auftraggeber zwar Spanier, die Ausführenden aber Indios.
“Der Codex ist ein seltenes Dokument der Weltgeschichte. Er zeigt, welche kulturellen Interaktionen an diesem wichtigen Zeitpunkt in der amerikanischen Geschichte stattfanden”, sagt John Hessler, Kurator für frühe amerikanischen Geschichte an der Library of Congress. “In gewissem Sinn sehen wir in dieser Karte die Geburt dessen, was später einmal Amerika werden wird.”
Aztekische Hieroglyphen und lateinische Schrift
Wie Hessler erklärt, zeigt die Karte das Ausmaß des Landbesitzes und Liegenschaften einer Familie, die als “de Leon” bekannt war. “Die Karte illustriert die Genealogie der Familie und ihre Abstammung von Quetzalecatzin, der im Jahr 1480 eine der führenden politischen Persönlichkeiten in dieser Region war”, so Hessler. “Sie zeigt auch Kirchen, einige spanische Ortsnamen und weitere Darstellungen, die darauf hindeuten, dass die Menschen dieser Region sich an spanisches Recht angepasst hatten.”
An der Ausführung der Karte ist zu erkennen, dass ein Angehöriger der in diesem Gebiet ansässigen Indianer sie gezeichnet haben muss: So sind bestimmte Landschaftsmerkmale mit aztekischen Hieroglyphen gekennzeichnet, darunter Flüsse, Straßen und Wege. An den Rändern jedoch sind Anmerkungen in lateinischer Schrift zu erkennen. In ihnen benennt der Autor einige der Landbesitzer und lokalen Eliten mit spanischen Titeln und Namen, darunter “Don Alonso” und “Don Matheo”. Nach Angaben von Hessler deutet dies darauf hin, dass einige Ureinwohner zu dieser Zeit bereits getauft worden waren und christliche Namen übernommen hatten.
Im Internet zugänglich
Nachdem der Codex Quetzalecatzin mehr als 100 Jahre im Besitz verschiedener privater Sammler in Großbritannien, Frankreich und den USA war, hat nun die US Library of Congress das Manuskript erworben. Sie ist eine der größte Bibliotheken der Welt und besitzt in ihren Sammlungen zahlreiche historisch wertvolle Dokumente. Zuvor gehörte die gut 400 Jahre alte Karte unter anderem William Randolph Hearst, einem US-Multimillionär und Kunstsammler.





