Vor 90 Jahren ließ eine Hyperinflation den Wert der Mark ins Bodenlose fallen. Der Preis der Nahrungsmittel überstieg bald die Möglichkeiten der meisten Menschen. Der Lohn wurde damals oft täglich ausbezahlt, um bei den unentwegt steigenden Preisen überhaupt noch etwas einkaufen zu können.
Lebensmittelmarken bestimmten daher auch noch nach Ende des Ersten Weltkrieges die Verteilung der Nahrung. Die Rationierung betraf vor allem die Ausgabe von Brot, obwohl sich die Brotherstellung wieder normalisiert hatte.
Hunger und Not waren für die, die mit dem rasenden Verfall des Geldwertes nicht mithalten können, eine allgegenwärtige Gefahr. Erst durch eine Währungsreform mit Einführung der Rentenmark und später der Reichsmark, begann sich ab November 1923 die wirtschaftliche Lage zu bessern. Die stabile Währung sorgte dafür, dass die landwirtschaftlichen Produkte auf den Markt kamen und erschwinglich wurden. Für die wenigen Menschen, die Einkommen oder Besitz hatten, folgten erst einmal die “Goldenen Zwanziger Jahre”.
Zahlreiche Künstler, die diese existentiellen Krisen erlebten, sahen sich in der Verantwortung, die Gründe und vor allem Folgen der Hyperinflation anzuklagen: beispielsweise Käthe Kollwitz, George Grosz oder Max Beckmann machten die Alltagsnot zu ihrem Thema. Dabei bedienten sie sich unterschiedlicher künstlerischer Formate. Künstlermappen, Plakate und Flugblätter werden zu den angesagten Verbreitungsmedien künstlerischen Engagements. Die Darstellung des Jahres 1923 durch den Blick der Künstler wird in der Ausstellung begleitet von weiteren Dokumenten wie Archivalien und Medaillen des Krisenjahres. Für den Ausstellungsbesucher wird so der Lebensalltag vieler Menschen erfahrbar.
Die Sonderschau „50 Millionen Mark für ein Brot. Das Inflationsjahr 1923 im Blick von Kollwitz, Grosz, Beckmann u. a.“ ist noch bis zum 3. November 2013 im Museum der Brotkultur in Ulm zu sehen.





