Der Fund stammt von Ausgrabungen, die bereits in den 1970er Jahre in Bet Ha-‘Emeq im Westen Galiläas durchgeführt wurden. Das Fragment war einst Teil eines großen tönernen Vorratsgefäßes aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Diese wurden damals typischerweise durch Rollsiegel verziert: Man setzte vor dem Brennen des Gefäßes ein zylinderförmiges Siegel auf den weichen Ton und rollte es ab, um die Gravuren wiederholend auf die Oberfläche zu übertragen. Oft handelt es sich um geometrische Zeichen, manchmal aber auch um Figuren.
Erst durch erneute Begutachtung wurde nun klar, dass es sich bei der Darstellung auf dem Fragment aus Bet Ha-‘Emeq um etwas Besonderes handelt. Den Rekonstruktionen der Forscher um Yitzhak Paz von der Israel Antiquities Authority zufolge zeigte die gesamte Szene einst zwei stehende und eine sitzende Person, die eine Lyra spielte. Es handelte sich vermutlich um eine Darstellung einer sogenannten „Heiligen Hochzeit”, sagen die Archäologen.
Musikbegleitung einer „Heiligen Hochzeit”
Man nimmt an, dass viele der Darstellungen auf den einstigen Gefäßen Szenen dieses Rituals zeigten. Bei der Heiligen Hochzeit fand eine symbolische Vereinigung eines Herrschers mit einer Göttin statt, die durch eine Priesterin repräsentiert wurde. Zu der Zeremonie gehörte ein Fest mit Gelage und Tanz. Die bereits bekannten Szenen zeigen tanzenden Figuren oder Abbildungen, in denen die weiblichen und männlichen Figuren sich einander gegenüberstehen.
Der nun entdeckte Siegelabdruck ist nun die älteste bekannte Darstellung des musikalischen Teils des Rituals, meinen die Archäologen. “Wir konnten erstmals auf einem Siegelabdruck aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. eine Figur identifizieren, die ein Instrument spielt”, resümiert Paz. Ihm zufolge gewährt dies nun neue Einblicke in die spirituelle Welt der Einwohner des heutigen Israels in der frühen Bronzezeit.





