Hoch über Freyburg in Sachsen-Anhalt erhebt sich das Schloss Neuenburg. Die Höhenburganlage war einst die größte Burg der Thüringer Landgrafen, einem der einflussreichsten Adelsgeschlechter des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Die Neuenburg wurde Ende des 11. Jahrhunderts von Graf Ludwig dem Springer errichtet und ist damit auch eine der ältesten erhaltenen Burgen der Thüringer Landgrafen. Erwähnung findet diese Burganlage im mehreren mittelalterlichen Quellen als Castrum Nuwenburg oder Novum Castrum. In ihrer Bedeutung stand sie damals anderen wichtigen Burgen wie der ebenfalls unter Graf Ludwig dem Springer gebauten Wartburg nicht nach. Das Gelände des national wertvollen Kulturdenkmals soll in den kommenden Jahren ausgebaut und weiterentwickelt werden.

Fund an der Ringmauer
In Vorbereitung darauf führen Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) seit 2022 bauvorbereitende archäologische Voruntersuchungen auf dem Gelände der Neuenburg durch. Jetzt ist den Archäologen auf dem Gelände der Kernburg eine herausragende Entdeckung gelungen. Im Bereich der ehemaligen Bettenmeisterei stieß das Forschungsteam auf die Überreste eines achteckigen Wehrturms an der östlichen Ringmauer der Burg. Der Durchmesser des Achteckturms beträgt etwa zehn Meter, seine Mauern sind 1,70 Meter dick und bis in eine Höhe von rund 2,20 Metern erhalten, wie die Archäologen berichten. Im kreisförmigen Turminneren sind zudem noch Fußbodenreste und Versätze eines Treppenaufgangs zu erkennen.
Reste eines weiteren, vergleichbaren Turms zeigten sich etwa 50 Meter südlich. Aus der gleichen Zeit stammen ein Wall aus Kalkschotter, eine innere Ringmauer sowie eine rund sechs bis acht Meter davor liegende äußere Mauer. Wie die Türme gehörten diese Bauten zu den Befestigungsanalgen der mittelalterlichen Burg. Vorgelagert war ihnen zudem ein rund zehn Meter tiefer Graben. Die gewaltige Befestigung mit den beiden achteckigen Türmen muss einen imposanten Anblick geboten haben.
Rarität aus der frühen Ära solcher Türme
Das Besondere jedoch: Die beiden achteckigen Wehrtürme wurden um das Jahr 1100 errichtet, wie die Archäologen ermittelten. Damit stammen sie und das mit ihnen verbundene Befestigungssystem aus der ersten Ausbauphase von Schloss Neuenburg. Gleichzeitig sind die Achtecktürme damit deutlich älter als die meisten solcher mittelalterlichen Mehrecktürme. Die Form dieser Wehrtürme galt lange als typisch für die Stauferzeit von 1138 bis 1254 und vor allem für die Regierungszeit von Kaiser Friedrich II. Inzwischen sind jedoch auch einige wenige ältere Exemplare solcher Mehrecktürme bekannt, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie erklärt. Dennoch sind diese Bauten aus dem Burgenbau des Heiligen Römischen Reichs noch immer sehr selten.





