Das Itinerarium des ersten „deutschen“ Königs ist grundlegend für die Darstellung der politischen Bedeutung, aber auch der Architektur und Kultur der damaligen königlichen Pfalzen und der blühenden klösterlichen Niederlassungen. Die Klöster St. Gallen, Corvey, Fulda, Lorsch und Hersfeld waren als Zielorte des „Reisekönigtums“ ebenso wichtig wie die Bischofssitze in Konstanz, Straßburg, Würzburg und Regensburg. Längere Aufenthalte gönnte sich der König nur auf seinem Stammsitz in Weilburg und in der Pfalz Frankfurt. Diese politischen und kulturellen Zentren werden mit originalen Exponaten und Rekonstruktionszeichnungen präsentiert. König Konrad I. selbst erscheint mit Bildnissen auf Siegeln, Handschriften und Königsurkunden, die Anhaltspunkte für die Rekonstruktion seiner Reisewege bieten. Durch Bodenfunde und Ergebnisse von zahlreichen archäologischen Untersuchungen werden das Leben und die Sachkultur im Herrschaftsbereich König Konrads I. rekonstruiert. Über 200 originale Fundstücke zu Wohnkultur, Handwerk und Lebensumfeld von Bauern, Bürgern und Adeligen – wie Schmuck, Gerätschaften, Waffen und Tongefäße – werden mittels Zeichnungen und Grafiken nachvollziehbar dargestellt. Einer Installation, die den Eindruck der noch vielfach unberührten „wilden“ Natur zur Zeit der Karolinger vermittelt, wird dialektisch der Mensch selbst gegenübergestellt. Aus dieser Gegenüberstellung erwächst auch die nächste Abteilung, die dem Siedlungswesen in konradinischer Zeit gewidmet ist. Kernstück dieses Abschnittes ist die Rekonstruktion eines frühmittelalterlichen Grubenhauses mit Fundstücken beispielsweise aus den Siedlungen Fritzlar-Geismar, Büraburg und Kesterburg.
Das frühmittelalterliche Handwerk wird als Teilaspekt des Siedlungswesens in einer eigenen Abteilung vorgestellt. Dabei wird die Herausbildung spezialisierter Handwerker und die Entstehung früher Handwerkerviertel im Umfeld der Macht- und Siedlungszentren beleuchtet. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der vielfältigen Handwerke, die sich bereits im Frühmittelalter etabliert haben. Dazu werden Fundstücke verschiedener Handwerksberufe wie Metallgießer, Schmied, Salzsieder, Müller, Weber, Gerber, Stellmacher, Töpfer und Knochenschnitzer mit Grafiken und Modellen kombiniert, um so ein anschauliches Bild des Handwerks im 9./10. Jahrhundert zu vermitteln. Dieses wird mit der modernen Spitzentechnologie des 21. Jahrhunderts anhand eines Porsches 911 didaktisch konfrontiert.
In dem anschließenden Ausstellungsabschnitt wird Konrads Machtübergabe an die Ottonen im Jahr 918 in Beziehung gesetzt zur späteren föderalen Verfassung des alten Reiches bis zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949. Im Mittelpunkt steht hierbei die „Goldene Bulle“ Kaiser Karls IV., welche die Wahl des deutschen Königs bis 1806 regelte. Eine Installation führt den Besucher in die wichtigsten inhaltlichen Aussagen dieses „Grundgesetzes“ ein, das die Partikularinteressen der Kurfürsten unter dem Dach des Königtums gebändigt und austariert hat.





