Ursprünglich einer der vielen Festsäle des Ludwigsburger Schlosses, wurde der sogenannte Festinbau nach 1869 abwechselnd als Küchenbau, Schlafsaal für Soldaten, Staatsgalerie und -archiv genutzt. Dabei wurde der Bau innen weitgehend zerstört; die nach dem Zweiten Weltkrieg eingezogenen Zwischendecken aus Beton erwiesen sich gar als so massiv, daß sie bei der jetzigen Sanierung nicht mehr herausgenommen werden konnten, ohne die Stabilität des gesamten Baus zu gefährden. So war eine innovative Raumlösung gefragt, die den Eindruck der Enge möglichst gar nicht erst aufkommen lassen sollte. Entgegen kam den Museumsplanern dabei die aus konservatorischen Gründen vorgeschriebene Beleuchtung mit nur 50 Lux – einem Zehntel dessen, was an einem normalen Arbeitsplatz vorgeschrieben ist. Tatsächlich stehen jetzt die optimal ausgeleuchteten Kleidungsstücke im Blickpunkt, die – zum Teil aufgesägten – Zwischendecken nimmt der Besucher kaum wahr. Innovativ ist auch die sanft ansteigende Rampe, mit der einerseits die obere Ebene der insgesamt 750 Quadratmeter umfassenden Ausstellungsfläche erreicht wird, die andererseits aber auch den passenden Rahmen für die Kindermode aus drei Jahrhunderten bietet.
Schon der Zugang zum Museum ist – dem Zeitalter des Barock gemäß – fast theatralisch inszeniert. Durch einen schmalen Gang taucht der Besucher langsam ein in die Welt der Mode, ganz allmählich wird die Helligkeit abgesenkt, damit sich die Augen an das Dunkel der Ausstellungsräume gewöhnen können. Bewußt konfrontieren die Museumsmacher den Besucher auf diesem Weg mit Gegensätzen: einen Bikini mit einer afghanischen Burka, eine bastverzierte Penishülle aus Neuguinea mit einer europäischen Krawatte – beides Symbole der Männlichkeit.
Die eigentliche Ausstellung zeigt die Entwicklung der europäischen Kleidung zwischen etwa 1750 und 1970. Die ausgestellten Kleidungsstücke sind allesamt Originale aus der Sammlung des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart. Aus konservatorischen Gründen werden die Exponate von Zeit zu Zeit ausgetauscht – in den Magazinen des Landesmuseums befinden sich dafür noch genügend weitere textile Kostbarkeiten.
Einen Schwerpunkt bilden die prunkvollen Roben des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Dementsprechend steht gleich am Beginn der chronologisch geordneten Schau die Inszenierung eines höfischen Empfangs im Ancien régime. Prachtvolle Farben, aufwendige Stickereien und Borten lassen Anklänge an ein Fest aufkommen, wie es einst in diesem Bau stattgefunden haben könnte. Die Gastgeberin dieses Empfangs trägt eine ausladende rote Robe, die mit reicher Goldstickerei verziert ist. Das kostbare, wahrscheinlich aus Venedig stammende Stück erwarb das Württembergische Landesmuseum vor einigen Jahren aus dem Besitz des Tänzers Rudolf Nurejew.





