Singe, Göttin, den Zorn des Peleiaden Achilleus, / Der zum Verhängnis unendliche Leiden schuf den Achaiern / Und die Seelen so vieler gewaltiger Helden zum Hades / Sandte, aber sie selbst zum Raub den Hunden gewährte“: Die ersten vier Verse von Homers „Ilias“ stimmen auf das ein, wovon die restlichen 15 689 Verse des Epos berichten: von Achills Zorn, der erst dem griechischen Anführer Agamemnon gilt und dann dem Trojaner Hektor, der seinen Freund Patroklos auf dem Gewissen hat.
Die „Ilias“ und ihre Fortsetzung, die „Odyssee“, stehen am Anfang der europäischen Literaturgeschichte. Die Epen beantworten die Frage gleich selbst, warum man sich im 21. Jahrhundert noch für fast 3000 Jahre alte Geschichten interessieren soll: weil sie von Gewalt, Liebe, Sehnsucht, Rache, Leidenschaft, Würde und Identität handeln – den Themen, die auch heute noch das Menschsein in seinem tiefsten Innern ausmachen. „Ilias“ und „Odyssee“ haben, seit sie um 700 v. Chr. aufgeschrieben wurden, nichts von ihrer Faszination verloren. Die jeweils 24 Bücher der Epen machen auf den modernen Leser einen taufrischen Eindruck.





