Adolf Loos hegte schon früh den Wunsch, Architekt zu werden. Aufgrund seiner schlechten schulischen Leistungen jedoch blieb ihm ein Studium verwehrt. Nach einem Jahr als Gasthörer an der Technischen Hochschule in Dresden ging Loos von 1893 bis 1896 nach Amerika, wo er seinen Unterhalt durch Gelegenheitsarbeiten verdiente. Bekannt wurde er schließlich durch eine Artikelserie, die er von 1898 an in der Neuen Freien Presse publizierte und in der er zu Geschmacksfragen Stellung bezog. Wie auch in der Architektur forderte Loos hierbei Qualität statt Quantität. Nachdem er längere Zeit überwiegend Inneneinrichtungen geschaffen hatte, war sein erstes größeres und bekannteres Bauwerk das „Looshaus“, das 1910 am Michaelerplatz in Wien fertig gestellt wurde. Dieses Gebäude für den Herrenausstatter Goldman und Salatsch wurde öffentlich debattiert, da es durch seine „nackte“ Fassade mit einfach eingeschnittenen Fenstern dem damaligen Zeitgeschmack zuwiderlief.
Loos‘ gesamtes schriftliches Werk besteht aus Essays, Aufsätzen sowie Vortragstexten und ist somit als eine Serie von Einzelüberlegungen anzusehen. Ein Großteil der gestalterischen Überlegungen entstand noch bevor Loos erste Erfahrungen mit dem Bauen sammeln konnte. Seinen berühmtesten Aufsatz „Ornament und Verbrechen“ verfasste er 1908 als Vortragsmanuskript anlässlich der ersten Wiener Kunstschau. Darin begründete er, warum Funktionalität und Abwesenheit von Ornament Zeichen hoher Kulturentwicklung seien. Er distanzierte sich immer wieder sowohl von den historisch-eklektizistisch arbeitenden Architekten, als auch von denen der Wiener Secession. Anders als diese wollte Loos die Kunst nicht zu den Menschen bringen, sondern die Menschen so bilden, dass sich ihr kulturelles Niveau der Kunst so weit wie möglich annäherte.
Der Autor Ralf Bock ist Gründer der Adolf-Loos-Gesellschaft. Er arbeitet als Architekt in Wien und beschäftigt sich seit 2001 mit Adolf Loos. In jenem Jahr bat ihn der Architektur-Fotograf Philippe Ruault um Mitarbeit bei einem kleinen Projekt für eine japanische Architekturzeitschrift. Diese wollte eine Serie über die größten Architekten des 20. Jahrhunderts herausgeben. Innerhalb von sechs Wochen fotografierten Ruault und Bock zehn der noch erhaltenen Loos‘schen Werke. Die Wirkung, die die zum Großteil noch original erhaltenen Räume auf Bock entfalteten, veranlasste ihn, sich dem Leben und Werk Adolf Loos‘ in einer Monographie eingehender zu widmen.
Das Buch gliedert sich formal in zwei Abschnitte: Im ersten Teil präsentiert Bock in Textform alle vorhandenen Informationen über Adolf Loos und sein Werk. Im zweiten Teil werden die vorher erhaltenen Informationen, wie etwa die für Loos an erster Stelle stehende Bequemlichkeit des Wohnens, durch die chronologisch angeordneten Fotografien seiner Werke belegt. Dabei widerspricht gerade dieser zweite Teil einer Loos‘schen Überzeugung. In seinem Aufsatz „Von der Sparsamkeit“ von 1924 schrieb er: „Ich bin gegen das photographieren von interieurs. Es kommt dabei etwas ganz anderes heraus.“ Jedoch vermittelt besonders dieser zweite Teil einen sehr anschaulichen Eindruck von der Architektur Loos‘, da die Fotografien zum Teil historisch, zum Teil aktuell sind und noch dazu durch Grund-, Aufrisse sowie Schnitte der Gebäude ergänzt werden.





