„Melville House“ befindet sich im ländlichen Umfeld des schottischen Verwaltungsbezirks Fife nördlich von Edinburgh. Das Herrenhaus mit weitläufigen Gartenanlagen wurde 1697 vom ersten Earl of Melville erbaut. Später wechselten dann die Besitzer und 1952 wurde das Gebäude schließlich in eine Schule verwandelt. Wie die National Museums of Scotland berichten, begann auch in diesem Jahr die seltsame Fundgeschichte auf dem Anwesen.
Überraschung bei der Kartoffelsuche
Am Anfang stand dabei die Strafarbeit eines Schülers: Er sollte Kartoffeln ausgraben, die zu der Zeit in einem Bereich des Anwesens angebaut wurden. Dabei stieß er auf ein Objekt, das er zunächst sogar für eine Kartoffel hielt. Doch verdutzt stellte er fest, dass es sich um einen Statuen-Kopf handelte. Der Fund wurde anschließend ins National Museum of Scotland in Edinburgh gebracht. Dort stellten die Experten fest, dass es sich um eine besonders fein gestaltete ägyptische Sandsteinskulptur aus der Mitte der 12. Dynastie (1922 bis 1874 v. Chr.) handelt. Anschließend ging der rätselhafte Fund in die Sammlung des Museums über.
Die zweite Entdeckung folgte dann im Jahr 1966: Beim Sportunterricht auf dem Gelände des Anwesens fiel einem Schüler etwas auf, das teilweise aus dem Boden ragte. So kam schließlich eine bronzene Votivstatuette eines ägyptischen Apis-Stiers ans Tageslicht, die dann dem betreuenden Lehrer übergeben wurde. Kurioserweise handelte es sich bei diesem Lehrer ausgerechnet um den ehemaligen Schüler der Anstalt, der 1952 den Sandsteinkopf gefunden hatte. Erneut wurde der Fund dann dem National Museum of Scotland übergeben.
Zu einer systematischen Suche führte dann aber erst Fund Nummer drei: Im Jahr 1984 brachte eine Gruppe Teenager einen Gegenstand ins Museum, den sie auf dem Gelände von Melville House mit einem Metalldetektor gefunden hatten. Es handelte sich um eine ägyptische Bronzefigur eines Mannes. Dabei erfuhr die damals neue Kuratorin des Museums, Elizabeth Goring, dass schon zweimal zuvor ägyptische Gegenstände auf dem Gelände des Anwesens aufgetaucht waren.
Zeugnisse der Sammelleidenschaft des 19. Jahrhunderts
So veranlasste Goring schließlich eine Ausgrabung. Dabei wurden dann 15 weitere altägyptische Artefakte im Boden entdeckt. Zu ihnen gehörte etwa eine Fayence-Figur der Göttin Isis, die ihren Sohn Horus säugt, und ein Teil einer Fayence-Plakette mit dem Auge des Horus. Im Anschluss an die Ausgrabung wurden dann Untersuchungen durchgeführt, um zu klären, wie die Objekte an ihren seltsamen Fundort gelangt sein könnten. Erst jetzt haben Goring und ihre Kollegin Margaret Maitland alle Aspekte der Fundgeschichte und ihres möglichen Hintergrunds zusammengetragen, berichten die National Museums of Scotland. „Die Ausgrabung und Erforschung der Funde vom Melville House war das ungewöhnlichste Projekt in meiner archäologischen Karriere und ich freue mich, die Geschichte nun bekannt machen zu können“, sagt Goring.





