Die Geschichte von Kap Verde beginnt im Jahr 1456, als die Portugiesen die etwa 500 Kilometer von der Küste Westafrikas entfernte Inselgruppe für ihre Zwecke entdeckten. Ab etwa 1462 begann sich dann Ribeira Grande (später Cidade Velha genannt) auf der Insel Santiago als erste ständige europäische Siedlung in den Tropen zu entwickeln. Motivation für den Bau der Kolonie gab es nur eine: den Sklavenhandel. Ein großes Tal diente als natürliches Gefängnis für die aus Afrika verschleppten Menschen. In den Kirchen der boomenden Stadt wurden die Sklaven getauft – das steigerte ihren Wert. Anschließend wurden sie vermarktet und in alle Welt verschifft. Durch die Profite aus dem grausamen Sklavenhandel entwickelte sich Ribeira Grande schließlich zur zweitreichsten Stadt im portugiesischen Reich. Sie wurde auch zu einem Bischofssitz und besaß neben insgesamt 22 Kirchen schließlich auch eine Kathedrale. Die Pracht hatte jedoch ein Ende mit Schrecken: 1712 plünderten und zerstörten Franzosen unter Jaques Cassart die Stadt völlig. Heute ist Cidade Velha ein kleines Fischerdorf, dessen große Geschichte sich in Ruinen widerspiegelt. 2009 wurde Cidade Velha in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.
Eine frühe Kirche für Sklavenhändler
Die Funde des Archäologenteams der University of Cambridge geben nun Einblicke in die Entstehungszeit von Ribeira Grande. Die Wissenschaftler entdeckten die Überreste eines kleinen gotischen Gotteshauses, das ungefähr um das Jahr 1470 errichtet worden war. Es handelt sich damit um die ältesten bekannten Spuren eines Kirchenbaus südlich der Sahara und auch um das älteste bekannte Gebäude auf der Insel Santiago. Später entstand aus diesem Bau die Kirche “Nossa Senhora da Conceicao”, deren Überreste die Archäologen ebenfalls ausgegraben haben. “Wir haben nun den gesamten Grundriss der Kirche aufgedeckt und es präsentiert sich uns ein eindrucksvolles Gebäude”, sagt Christopher Evans von der University of Cambridge. Vor allem um 1500 wurde die Kirche erweitert, zeigen weitere Funde. Als Schmuckelemente wurden unter anderem verzierte Kacheln aus Lissabon verwendet.
Das Team entdeckte in den Überresten auch Grabsteine von lokalen Würdenträgern der Stadt. Ein besonders eindrucksvoller gehörte beispielsweise dem Sklavenhändler Fernao Fiel de Lugo, der zwischen 1542 und 1557 Schatzmeister von Ribeira Grande war. “Die Ausgrabung hat Gräber von Menschen aufgedeckt, die wir bisher nur aus historischen Aufzeichnungen kannten”, sagt der Bürgermeister von Cidade Velha, Manuel Monteiro de Pina. Außerdem stießen die Archäologen auf Spuren eines Friedhofs, der sich ebenfalls einst am Fundort befand. Er war wahrscheinlich die letzte Ruhestätte von etwa 1000 Menschen, die vor 1525 gelebt haben. Eine erste Analyse von Proben zeigt, dass etwa die Hälfte von ihnen aus Afrika stammte und der Rest aus Europa. Weitere Untersuchungen durch Isotopenanalyse sollen nun mehr Einblicke in die Identitäten der frühen Bevölkerung der Kapverdischen Inseln ermöglichen, aus denen die heutige kreolische Bevölkerung des kleinen Staates hervorging.





