Offene Felswände statt Höhlen
Farbenprächtige Wildtiere, geheimnisvolle Symbole und viele Handabdrücke: Unsere Vorfahren hinterließen schon sehr früh solche Kunstwerke an den Wänden von Höhlen oder an Felsüberhägen. In Europa stammen die ältesten Felsmalereien bereits aus der Zeit vor mehr als 30.000 Jahren und auch in Ostasien haben Forscher inzwischen ähnlich alte Handabdrücke und Tierfiguren entdeckt. Dies gab Anlass zu der Vermutung, dass der Homo sapiens schon vor seinem Auszug aus Afrika die Fähigkeit zu solcher Kunst entwickelt haben könnte.
Doch gerade aus Afrika sind Felsmalereien bisher eher rar. Im Gegensatz zu ihren europäischen Gegenstücken finden sie sich nicht in geschützten höhlen, sondern meist an exponierten Felswänden. Nur an wenigen Orten blieben die prähistorische Kunstwerke daher erhalten – und die meisten sind nur wenige tausend Jahre alt. Ausnahmen bilden einige bis zu 10.000 Jahre alte Felsbilder in Nordafrika und in Zimbabwe, sowie Funde von möglicherweise für die Malerei genutzten Ockerpigmenten aus der Zeit vor rund 70.000 Jahren.
Gemalt schon vor 5500 Jahren
Auch in Botswana, Lesotho und in der Kapregion Südafrikas existieren prachtvolle Felsmalereien. Sie zeigen unter anderem mehrfarbig dargestellte Tierherden und menschliche Figuren. Doch wie alt diese Kunstwerke sind, ließ bisher nicht eindeutig feststellen. Jetzt haben David Pearce von der Universität von Witwatersrand und seine Kollegen die Probenaufbereitung und Reinigung so verfeinert, dass ihnen erstmals eine verlässliche Radiokarbondatierung von Pigmentproben gelang.
Ihre Analysen ergaben: Die Felsmalereien am Thune Damm in Botswana sind mindestens 5500 Jahre alt. Die Felsbilder am Metolong Damm in Lesotho und in den Drakensbergen Südafrikas wurden wahrscheinlich vor rund 3000 Jahren erstellt. “Diese Ergebnisse enthüllen, dass die südafrikanischen Jäger und Sammler schon vor mindestens 5723 bis 4420 Jahren Malereien an Felsunterständen in Botswana hinterließen”, berichten Pearce und seine Kollegen. “Die Malereien dort sind damit die ältesten Belege für eine solche Kunst im Süden Afrikas.”
Künstler kamen immer wieder
Und noch etwas ergaben die Analysen: An einigen Orten bemalten die prähistorischen Künstler die Felswände über Jahrtausende hinweg immer wieder – und das fast die gesamte Zeit hinweg in gleichem Stil. “Das ist erstaunlich”, sagt Pearce. “Die Menschen kehrten über lange Zeiträume hinweg immer zu den gleichen Felsunterständen zurück und hinterließen dort Malereien, die denen ihrer Vorgänger vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden sehr ähnelten.”
Nach Ansicht der Wissenschaftler wirft dies ein neues Licht auch auf die Lebensweise und Kultur der steinzeitlichen Menschen in dieser Region. “Diese Funde haben tiefgreifende Bedeutung für unser Verständnis der Religion der Jäger und Sammler im Süden Afrikas”, sagt Pearce. Die bisher 43 datierten Proben sind zudem die bisher einzigen direkten Datierungen von Felskunst in Botswana und Lesotho.





