Bereits seit etwa 1,5 Millionen Jahren arbeiten Menschen und ihre Vorfahren mit Holz. Die ältesten bisher bekannten Holzwerkzeuge stammen aus dem Mittleren Pleistozän und damit nicht vom Homo sapiens, sondern von früheren Vertretern der Gattung Homo. Sie wurden in Afrika und im westlichen Eurasien gefunden – darunter bemerkenswerte Speere und Wurfstöcke aus Schöningen in Deutschland und Clacton in Großbritannien, die 300.000 bis 400.000 Jahre alt sind. In Sambia fanden Archäologen zudem ineinandergreifende Baumstämme, in Israel Holzbretter und in Italien Grabstöcke, die rund 780.000, 475.000 beziehungsweise 171.000 Jahre alt sind. In Ostasien haben die Menschen damals wahrscheinlich ebenfalls Werkzeuge aus organischen Materialien hergestellt, überwiegend aus dem dort weit verbreiteten Bambusholz, so eine gängige Theorie der Forschung. Doch es gibt nur wenige archäologische Beweise für solche Bambuswerkzeuge aus der Region.

Älteste Holzwerkzeuge aus Ostasien
Jetzt haben Forschende um Jian-Hui Liu vom Yunnan-Institut für Kulturdenkmäler und Archäologie im chinesischen Kunming neue Holzwerkzeuge gefunden und untersucht. Die Fundstelle liegt in Gantangqing, im Südwesten Chinas, am Rand des Fuxian-Sees. Aus den dortigen Sedimentschichten gruben die Wissenschaftler eine Vielzahl von Artefakten aus. Darunter waren mehrere primitive Werkzeuge aus Stein, Geweih oder Knochen – geformt zu Faustkeilen, Schabern, Bohrern und Messern – sowie 35 feiner gearbeitete Gegenstände aus Holz. Anders als bislang angenommen, bestehen sie aber nicht aus hartem Bambus, sondern überwiegend aus weichem Kiefernholz und teils aus härterem Holz von Buchen oder anderen Laubbäumen. Gefertigt wurden sie meist aus Ästen, teils auch aus Baumstämmen. Datierungen der Sedimentschichten ergaben, dass die darin eingebetteten Holzgegenstände etwa 361.000 bis 250.000 Jahre alt sind. Sie stammen demnach ebenfalls aus dem Mittleren Pleistozän und sind zugleich die ältesten Funde aus Ostasien, wie das Team berichtet.
Die Relikte weisen Spitzen, Kanten oder Griffe sowie Spuren von aufwendiger Schnitzerei, Glättung und Abnutzung auf. Vielfach wurden Seitenäste entfernt und die Oberfläche poliert. Auch Holzspäne fanden sich in Gantangqing. Das deutet darauf hin, dass die Holzgegenstände dort gezielt von Frühmenschen geformt und hergestellt wurden. Unter den vielfältigen Objekten waren zum Beispiel mehrere große Stöcke und kleinere spitze Werkzeuge, die zum ein- oder beidhändigen Graben im Erdboden genutzt worden sein könnten. Vier hakenartige Gegenstände stechen besonders heraus: „Sie scheinen aus der Basis eines Stammes und der Spitze einer Wurzel geformt zu sein. Der Wurzelteil wurde dann zu einer scharfen, runden Kante geformt, die Abnutzungserscheinungen zeigt und zum Durchschneiden von Wurzeln verwendet worden sein könnte“, berichtet das Team. Zudem fanden die Forschenden zwei kleine rautenförmige Werkzeuge, deren Funktion noch unbekannt ist; möglicherweise waren es Ahlen zum Löcher bohren oder zur Trennung von Wurzelgeflecht.





