Bis heute ist unsere Zivilisation von der sogenannten neolithischen Revolution geprägt: Statt zu jagen und zu sammeln, begannen Menschen in der Jungsteinzeit erstmals, Nahrungspflanzen gezielt anzubauen und Vieh zu halten. Vom Nahen Osten aus breitete sich diese neue Lebensform dann im weiteren Verlauf der Epoche immer mehr aus. Nach und nach ersetzte sie so schließlich auch in Europa die angestammten Jäger-und-Sammler-Kulturen.
Die Entwicklung der Landwirtschaft war neben der Domestikation von Pflanzen und Tieren auch von technologischen Neuerungen geprägt. Als die ältesten bekannten Hinweise auf die Nutzung der Kraft von Tieren im Feldbau gelten dabei archäozoologische Befunde: Bestimmte Abnutzungserscheinungen an jungsteinzeitlichen Knochen von Rindern legen nahe, dass sie schon zu Beginn der Ausbreitung der bäuerlichen Lebensweise Geräte wie Pflugscharen zogen, um den Boden für die Aussaat von Nutzpflanzen aufzubereiten.
Spuren der Ackerbautechnologie mittels Tierkraft
Einen eindeutigeren Nachweis dieser Form der Bodenbearbeitung stellen hingegen Pflugspuren auf einstigen Anbauflächen dar – sie sind aber nur sehr selten erhalten geblieben. Als die ältesten bekannten Nachweise dieser Art galten bisher Funde in Dänemark und Norddeutschland, die auf die erste Hälfte des vierten Jahrtausends v. Chr. datiert wurden. Doch nun berichten die Forschenden um Samuel van Willigen von der Universität von Aix-Marseille in Frankreich von Pflugspuren in Europa, die noch deutlich älter sind.
Sie wurden am Fundort Anciens Arsenaux bei Sion im Schweizer Kanton Wallis entdeckt. Bei Ausgrabungen waren Archäologen dort zunächst auf Siedlungsreste gestoßen, die durch Radiokarbondatierungen der Zeit um 5000 v. Chr. zugeordnet werden konnten. Anschließend entdeckten sie dann Strukturen im Untergrund, bei denen es sich offenbar um Überreste einstiger Anbauflächen der jungsteinzeitlichen Siedlung gehandelt hat. Sie waren von Sedimenten überlagert und konserviert worden, die wohl durch Überschwemmungen des nahen Flusses Rhone entstanden sind. Wie das Team berichtet, zeichneten sich parallele Linien auf der Fläche ab. Um dem Verdacht nachzugehen, dass es sich dabei um jungsteinzeitliche Pflugspuren handelt, nahmen die Forschenden die Strukturen und den Fundbereich genau unter die Lupe.
Gepflügt vor 7000 Jahren
Wie das Team berichtet, handelt es sich um U-förmige Profile, die eine maximale Breite von etwa sieben Zentimetern aufweisen. Zwischen den einzelnen parallelen Spuren stellten die Forschende einen Abstand von bis zu 20 Zentimetern fest. Außerdem entdeckten sie im Fundbereich zeitgleich entstandene Rinder-Hufspuren. Aus den Merkmalen und Beifunden geht somit hervor, dass es sich bei den parallelen Linien um die Überreste einer Bodenbearbeitung durch einen Pflug mithilfe von tierischer Zugkraft handelt, resümieren van Willigen und seine Kollegen.





