“Das Spiel mit dem Kautschukball ist eines der fundamentalen Merkmale des alten Mittelamerika”, erklären Jeffrey Blomster und Victor Salazar Chavez von der George Washington University in Washington DC. Mehr als 2300 präkolumbische Ballspielplätze haben Archäologen inzwischen in Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador gefunden – viele von ihnen in Städten der Maya und Azteken. Für diese Völker hatte das Ballspiel vor allem eine rituelle Bedeutung, es galt als Wettkampf zwischen heroischen Sterblichen und den Göttern der Unterwelt, wie das Popol Vuh der Maya berichtet. Auch viele Ballspieler-Figuren und Wandbilder zeugen von der großen Bedeutung dieser Spiele.
Rätsel um den Ursprung der Ballspiele
Doch wann und wo die rituellen Ballspiele der mesoamerikanischen Völker ihren Ursprung hatten, ist bislang weitgehend unklar. Weil jedoch der für diese Spiele verwendete Ball aus dem Kautschuk des vorwiegend im Tiefland vorkommenden Panama-Gummibaums (Castilla elastica) bestand, gingen Archäologen bislang davon aus, dass sich auch das Ballspiel im Tiefland Mittelamerikas entwickelt hat. Hinzu kommt, dass der mit Abstand älteste bisher bekannte Ballspielplatz, Paso de la Amada, um 1650 vor Christus in den Küstenniederungen des südlichen Chiapas in Mexiko entstand.
“Diese Entdeckungen und das Fehlen dokumentierter Ballspielplätze im Hochland bis etwa ein Jahrtausend nach den frühesten Tiefland-Plätzen, schien einen Ursprung dieser Tradition im Tiefland zu stützen”, sagen Blomster und Chavez. Doch Ausgrabungen in Etlatongo im mexikanischen Hochland von Oaxaca widerlegen nun diese Annahme. Dort haben die Forscher die Überreste von zwei aufeinanderfolgend erbauten Ballspielplätzen entdeckt. Datierungen zufolge entstand der ältere der beiden bereits um 1374 vor Christus. “Die Etlatongo-Ballspielplätze sind damit die ältesten aus dem Hochland Mittelamerikas bekannten”, berichten die Wissenschaftler. “Der ältere der beiden ist 800 Jahre älter als die aus dem zentralen Hochland und 1000 Jahre älter als jeder andere Ballspielplatz in Oaxaca.”

Klassische Anlage schon vor 3400 Jahren
Trotz ihres hohen Alters folgen beide Ballspielplätze von Etlatongo aber schon einem typischen architektonischen Plan. Der ältere der beiden ist dabei ähnlich aufgebaut wie der etwa gleichalte Platz Paso de la Amada im Tiefland, wie die Archäologen erklären. Er war rund 25 Meter breit und 46 Meter lang. Im Zentrum befand sich eine rechteckige Spielfläche, deren Boden aus geglättetem und wahrscheinlich rot bemaltem Felsuntergrund bestand. Reihen von steinernen Bänken rahmten das Spielfeld an beiden Längsseiten ein, während die beiden Stirnseiten in senkrechten Wänden endeten. Aufgeschüttete Wälle schlossen den gesamten Inneren Bereich ein.





