Entdeckt wurde das Silberamulett bereits 2018 bei Ausgrabungen in den Ruinen der römischen Stadt Nida, der Vorläufersiedlung des heutigen Frankfurt am Main. In einem Gräberfeld aus dem dritten Jahrhundert in Frankfurt-Praunheim stießen die Archäologen auf ein Grab mit den Gebeinen eines Mannes. Unter seinem Kinn lag ein kleines Silberamulett, ein sogenanntes Phylakterium, das er wohl einst an einem Band um den Hals trug. Ein solches Phylakterium ist ein am Körper getragener Behälter, der magischen Inhalt oder in späterer Zeit christliche Reliquien birgt und den Träger beschützen soll.
(Video: Stadt Frankfurt)
Silberfolie mit Schriftzeichen
Schon während der Ausgrabung war erkennbar, dass das antike Silberamulett eine dünne, zusammengerollte Silberfolie enthielt. Mikroskopische Untersuchungen und Röntgenaufnahmen im Jahr 2019 zeigten dann, dass auf dieser Folie eine Inschrift eingeritzt war. Doch die hauchdünne Silberfolie war durch die lange Zeit im Boden zu spröde und brüchig, um sie einfach aufzurollen und die Inschrift zu lesen. Sie würde dabei auseinanderfallen und unwiederbringlich zerstört. Deshalb wurde das Fundstück einem Team um Ivan Calandra vom Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz (LEIZA) in Mainz übergeben. Im Mai 2024 durchleuchteten sie die Silberfolie mit einem hochmodernen Computertomographen.
„Die Herausforderung in der Analyse bestand darin, dass das Silberblech zwar gerollt, aber nach rund 1800 Jahren natürlich auch zerknickt und gepresst war. Mittels des CT konnten wir es in einer sehr hohen Auflösung scannen und ein 3D-Modell erstellen“, berichtet Calandra. Im nächsten Schritt nutzten er und sein Team eine für dieses Objekt speziell entwickelte computergestützte Analysemethode , mit deren Hilfe sie einzelne Segmente des Scans virtuell Stück für Stück zusammensetzen konnten. Erst durch diese digitale Entrollung wurde der im antiken Silberamulett verborgene Text lesbar.
Ein rein christlicher Text in heidnischem Umfeld
Doch was besagte die Silberinschrift? Um das zu klären, machte sich anschließend Markus Scholz von der Frankfurter Goethe-Universität an die Arbeit. Dem Archäologen und Experten für lateinische Inschriften gelang es tatsächlich, die 18 Zeilen der „Frankfurter Silberinschrift“ zu entziffern und beschädigte oder fehlende Worte zu ergänzen. „Ich habe Fachleute unter anderem aus der Theologiegeschichte hinzugezogen und Stück für Stück haben wir uns gemeinsam dem Text genähert und ihn letztlich entziffert“. Dies enthüllt, dass es sich bei der Inschrift um einen christlichen, auf Latein verfassten Text handelt.





