Der Bau eines Parkgebäudes in der Basler Innenstadt avancierte zu einem Glücksfall für die Archäologie: Die baubegleitenden Grabungen deckten interessante Spuren der Stadtgeschichte auf – von der römischen Antike bis zur Neuzeit. In die Funde reiht sich nun auch die aktuelle Entdeckung ein, die ungewöhnliche Einblicke in die Lebenswelt des Mittelalters ermöglicht. Beim Fundort handelt sich um die Überreste eines Turms, der einst zur inneren Stadtmauer der Stadt Basel gehörte. Nachdem er durch den Bau der äußeren Stadtmauer seine Wehrfunktion verloren hatte, wurde er von den Bewohnern der angrenzenden Häuser als Latrine benutzt, erklären die Experten der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt. Wie sie berichten, stießen sie bei den Ausgrabungen in der Verfüllung des Turms auf die ungewöhnlichen Knochen.
Ruhestätte eines toten Affen
Zunächst hielten sie diese für die Überreste eines Kindes. Doch dann stellten sie anhand der Merkmale der Zähne überrascht fest: Dies muss ein Affe gewesen sein. Bei der näheren Untersuchung des Skeletts durch Spezialisten der Universität Basel und des Naturhistorischen Museums gelang schließlich auch eine genaue Artbestimmung: Es handelte sich um einen männlichen Berberaffen (Macaca sylvanus). Anhand von zahlreichen Keramikstücken in der Fundschicht konnten die Experten auch das Alter des Affenskeletts bestimmen: Er muss im 15. Jahrhundert in die Latrine gelangt sein – vermutlich in der Zeit des Basler Konzils von 1431 bis 1449.
Doch was hatte es mit diesem seltsamen Fund auf sich? Wie die Experten erklären, handelte es sich wohl um ein Haustier. Die Haltung von Kleinaffen ist ihnen zufolge bereits aus der Antike bekannt und ein systematischer Import nach Mitteleuropa zeichnet sich dann im 12. Jahrhundert ab. Funde von Überresten der Tiere aus der Zeit gibt es aber nur sehr wenige, betonen die Basler Archäologen. Wie aus Überlieferungen hervorgeht, war die Haltung von Affen im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit vor allem bei Klerikern und Gelehrten beliebt. Zudem wurden sie manchmal von fahrenden Gauklern vorgeführt. Es handelte sich bei den Tieren in der Regel um Berberaffen, da sie recht gut mit dem Klima in Europa zurechtkamen. Sie wurden aber offenbar alles andere als artgerecht gehalten: In Käfigen oder angekettet und mit Gewichten versehen, mussten sie ein trauriges Dasein fristen, geht aus Abbildungen der Zeit hervor.
Mittelalterliche Tierquälerei
Dies spiegelt sich auch in den Untersuchungsergebnissen des Skeletts aus Basel wider, berichten die Archäologen. Das Tier war bei seinem Tod zwischen fünf und acht Jahre alt und somit noch nicht ganz ausgewachsen. Offenbar trug der Affe eine Kette um den Hals, zeigen Rostspuren am Skelett. Auch aus Veränderungen an den Wirbeln geht hervor, dass er sich nicht frei bewegen konnte. Besonders auffällig waren auch seine abgeschliffenen Eckzähne. Den Experten zufolge kommen dafür zwei Erklärungen infrage: Entweder die Halter haben sie gezielt abgestumpft, um dem Tier den scharfen Biss zu nehmen oder der Affe hat aus „Verzweiflung“ dauerhaft an etwas Hartem genagt. Zudem lassen die Spuren verheilter Knochenbrüche darauf schließen, dass das Tier geschlagen wurde. Zum Tod führte dann möglicherweise eine Entzündung, deren Spuren sich am Ellenbogen abzeichnen, berichten die Experten.





