Dabei geht es nicht darum, die Universitäten als wissenschaftliche Institutionen zu beleuchten, sondern als soziale Institutionen, die eine Personalreserve für das kaiserliche Heer im Weltkrieg und die Freikorps im Nachkrieg boten. Der Blick auf die Universitäten und ihre Akteure, vor allem die Studenten, ist nicht zuletzt deshalb interessant, weil aus diesem Milieu die künftigen Eliten in Politik, Wirtschaft oder Kultur hervorgingen, nicht zuletzt diejenigen des „Dritten Reiches“. Die bisherige Forschung hat bereits gezeigt, dass die Universitäten während der Weimarer Republik keineswegs Stützen der Demokratie gewesen sind, da etliche Studenten rechtsradikale und antisemitische Positionen vertraten.
Auf breiter Quellengrundlage zeichnet Schreiner nach, dass die Universitäten des Kaiserreichs ein primär konservativ-monarchistisches Selbstverständnis aufwiesen. Die vergleichsweise wenigen Studenten galten auch als künftige militärische Elite. Sie sollten der Nation als wehrhafte Männer dienen. Es verwundert also nicht, dass die Studenten bei Kriegsbeginn bereit waren, für das Vaterland ins Feld zu ziehen. Während des Krieges verwaisten die Hochschulen geradezu, denn die übergroße Mehrheit der Studenten diente an den Fronten.
Eine eigene Mythenbildung um einige angeblich studentische Regimenter bei Langemarck im November 1914 half den Studenten dabei, sich auch nach dem Krieg mit einer heroischen Geschichte als opferbereite Verteidiger des Vaterlands darzustellen. Überhaupt verzahnten sich Universitäten und Militär immer enger. Das Kriegsende erlebten die nationalistischen Studenten als Zusammenbruch ihres Wertesystems, weshalb nicht wenige bereit waren, sich Freiwilligenverbänden anzuschließen und den Krieg nun gegen innere Feinde fortzuführen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Universitäten schon im Kaiserreich militäraffin waren, sich schließlich während des Weltkriegs am Primat des Krieges ausrichteten und anschließend den antirevolutionären Kampf im Inneren fortführten. Die Rolle der Universitäten während dieser Transformationsphase ist damit deutlicher profiliert als bisher, und es erscheint angesichts dieser Ergebnisse folgerichtig, dass zahlreiche Rechtsextremisten aus dem Milieu zwischen Militär und Universitäten hervorgingen.
Autor: Dr. Sebastian Rojek





