Seit die Gallier die Stadt am Tiber 387 v. Chr. eingenommen hatten, war dieses Szenario nicht mehr vorstellbar gewesen. Entsprechend fassungslos reagierten die Zeitgenossen. Noch 409 n. Chr. hatte der Kirchenvater Hieronymus in einem seiner Briefe gefragt: „Was ist heil, wenn Rom zugrunde geht?“. Und so überrascht seine Reaktion auf die Eroberung nicht: „Die Stimme stockt mir, und vor Schluchzen kann ich nicht weiterdiktieren: Die Stadt Rom ist eingenommen, die zuvor die ganze Welt besiegt hatte.“ Einige gaben den Christen die Schuld: Sie hätten die Götter erzürnt. Christliche Theologen sahen sich zur Rechtfertigung gezwungen. Unter diesem Eindruck verfasste Augustinus den „Gottesstaat“ („De civitate Dei“). Roms Nimbus war gebrochen, der Hauptstadt-Mythos endgültig beendet. Rom war Vergangenheit – und wurde in den nächsten Jahrzehnten wiederholt geplündert. Aber das erschütterte dann niemanden mehr.





