Denise Daums Studie „Albert Eckhouts ‚gemalte Kolonie‘ “ schlägt eine andere Lesart dieser Bilder vor: Sie legt überzeugend dar, dass es sich nicht um Porträts von Individuen handelt, sondern um „ethnographische Typenporträts“, die im Kontext der Kolonisation Brasiliens und der wissenschaftlichen Klassifizierung seiner Bewohner, Flora und Fauna zu sehen sind. Die Bilder sind zwar das Resultat tatsächlicher Begegnungen mit Brasilianerinnen und Brasilianern, doch Eckhout orientierte sich auch an formelhaften Darstellungen von „Barbaren“ und „edlen Wilden“ in Trachtenbüchern und illustrierten Reiseberichten sowie an zeitgenössischen europäischen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Seine „Porträts“ erweisen sich bei genauer Betrachtung als geschickte Arrangements von Versatzstücken wie Kleidung, Waffen und Schmuck.
Darüber hinaus wird die multiethnische Gesellschaft Brasiliens von Eckhout hier-archisch geordnet, sein Bilderzyklus diente damit der Verherrlichung der kolonisatorischen Leistung des Johann Moritz. Mit ihrer Darstellung ist der Verfasserin eine gelungene Verbindung von kunst-, kolonial- und wissenschaftsgeschichtlichen Perspektiven gelungen, durch die sie erhellende Zugänge zu einem bemerkenswerten Bilderzyklus findet.
Rezension: Prof. Dr. Mark Häberlein





